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Newsletter

JUGENDSCHUTZ-Newsletter Nr. 10

Guten Tag,

nach der Sommerpause begrüßen wir Sie herzlich zur aktuellen Ausgabe unseres Newsletters. Die vergangenen Wochen waren von vielseitigen Entwicklungen im Kinder- und Jugendschutz geprägt. Neben aktuellen Zahlen zu Kindeswohlgefährdungen und Sexualdelikten sowie Erkenntnissen zu Risiken im digitalen Raum, gab es auch innerhalb der BAJ wichtige Aktivitäten: Gemeinsam mit den Jugendschutzlandesstellen haben wir eine Stellungnahme zu den Handlungsempfehlungen der Expertenkommission »Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt« veröffentlicht, uns zur Abschaffung des begleiteten Trinkens positioniert und ein neues internes Projekt zum Jugendschutz in der Öffentlichkeit auf den Weg gebracht. Über diese und weitere Entwicklungen informieren wir Sie in dieser Ausgabe. Wir wünschen eine interessante Lektüre.

Ihr Team vom JUGENDSCHUTZ-Newsletter

Gemeinsame Stellungnahme der BAJ und Jugendschutzlandesstellen

Expertenkommission »Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt«

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. (BAJ) und die mitzeichnenden Landesstellen für Kinder- und Jugendschutz haben eine gemeinsame Stellungnahme zu den Handlungsempfehlungen der Expertenkommission »Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt« veröffentlicht.

Die BAJ und die Landesstellen begrüßen insbesondere den entwicklungs- und verantwortungsorientierten Ansatz der Empfehlungen. Positiv hervorgehoben werden zudem die Orientierung am Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe sowie die Stärkung des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes als zentrale Struktur für Medienbildung und Prävention.

Gleichzeitig weisen die BAJ und die Landesstellen darauf hin, dass einzelne Empfehlungen weiterer Konkretisierung bedürfen. Kritisch bewertet werden die vorgeschlagene familienrechtliche Verankerung des Begriffs der »digitalen Vernachlässigung« sowie die Einrichtung einer Kinderonlinewache als neue Anzeige- und Meldestelle der Sicherheitsbehörden.

Um Doppelstrukturen zu vermeiden und an bewährte Strukturen anzuschließen, sprechen sich die BAJ und die Landesstellen dafür aus, bestehende Unterstützungs-, Beratungs- und Präventionsstrukturen nachhaltig zu stärken und finanziell abzusichern.

Link zur Stellungnahme: https://www.bag-jugendschutz.de/de/stellungnahmen

 

Quelle: Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V., Berlin, 17. August 2026

Neues BAJ-Projekt zu Reformbedarfen im 2. Abschnitt des Jugendschutzgesetzes

Mit einem neuen, bis zum 31. Dezember 2026 befristeten Projekt, nimmt die BAJ die fachliche Bewertung von Reformbedarfen im 2. Abschnitt des Jugendschutzgesetzes (Jugendschutz in der Öffentlichkeit) in den Blick. Dies geschieht vor dem Hintergrund sich wandelnder Lebenswelten, Konsummuster, Veranstaltungsformate und Gefährdungslagen von Kindern und Jugendlichen.

Während sich die laufende Evaluation des Jugendschutzgesetzes auf den medienbezogenen 3. Abschnitt konzentriert, untersucht das BAJ-Projekt mögliche Anpassungsbedarfe im 2. Abschnitt. Die dort verankerten Regelungen betreffen unter anderem den Schutz von Kindern und Jugendlichen bei öffentlichen Veranstaltungen und an öffentlichen Orten sowie vor dem Konsum gesundheitsgefährdender Substanzen. Für die juristische Bearbeitung des Projekts verstärkt Nina Priebsch seit Mitte Juli die Geschäftsstelle der BAJ.

 

Quelle: News der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V., Berlin, 16. Juli 2026

Stellungnahme der BAJ zum Entwurf eines Gesetzes zur Reform des Nachrichtendienstrechts

Die BAJ hat zu einem Referentenentwurf zur Reform des Nachrichtendienstrechts Stellung genommen. Der Entwurf sieht vor, den bislang geltenden Ausschluss Minderjähriger von der Tätigkeit als nachrichtendienstliche Quelle aufzuweichen und unter bestimmten Voraussetzungen auch 16- und 17-Jährige als Vertrauenspersonen (»V-Leute«) einzusetzen.

Aus Sicht der BAJ stehen die mit einem solchen Einsatz verbundenen Risiken für die körperliche Unversehrtheit, die psychische Gesundheit und die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen dem Kindeswohl entgegen. Jugendliche, die sich in extremistischen Strukturen und Systemen bewegen, benötigen Schutz, Ausstiegs- und Distanzierungsangebote sowie pädagogische und psychosoziale Begleitung statt einer Einbindung in nachrichtendienstliche Maßnahmen. Die BAJ fordert daher eindrücklich, an der bisherigen Altersgrenze von 18 Jahren festzuhalten.

Link zur Stellungnahme: https://www.bag-jugendschutz.de/de/stellungnahmen

 

 

Quelle: Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V., Berlin, 13. August 2026

Abschaffung des begleiteten Trinkens

Das Bundeskabinett hat am 12. August 2026 den Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe beschlossen. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, die Ausnahmeregelung zum sogenannten »begleiteten Trinken« abzuschaffen. Damit sollen 14- und 15-Jährige künftig auch in Begleitung einer personensorgeberechtigten Person in der Öffentlichkeit weder Bier, Wein noch Schaumwein erwerben oder konsumieren dürfen.

Die BAJ setzt sich seit langem für die Abschaffung dieser Ausnahmeregelung ein. Zuletzt hat sie die Forderung in ihren kinder- und jugendpolitischen Forderungen sowie in ihrer Stellungnahme »Kein Elternprivileg mehr beim Alkoholkonsum – Jugendschutz stärken, Prävention sichern« bekräftigt. Mit der Aufnahme der Änderung in den Gesetzentwurf wurde aus Sicht der BAJ ein wichtiges Signal für einen stärkeren und konsequenten Jugend- und Gesundheitsschutz gesetzt. Nun bleibt das weitere parlamentarische Gesetzgebungsverfahren abzuwarten.

 

Quelle: News der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V., Berlin, 13. August 2026

JIMplus-Studie 2026

Zwischen Wohlfühlort und Belastungsfaktor – wie Jugendliche Social Media erleben

JIMplus

Die JIMplus-Studie 2026 nimmt das digitale Wohlbefinden von Jugendlichen in Deutschland in den Blick. Für die Untersuchung wurden rund 800 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu ihren Erfahrungen mit digitalen Medien befragt. Die Ergebnisse zeigen: Social Media ist fester Bestandteil des Alltags, wird von Jugendlichen jedoch ambivalent erlebt. Die Nutzung von Social-Media-Diensten beschreiben Jugendliche als eine »Achterbahnfahrt« zwischen positiven Erlebnissen und belastenden Erfahrungen. Häufig genannte Negativfolgen intensiver Nutzung sind Konzentrationsprobleme, ein schlechtes Gewissen nach längerer Nutzung sowie müde oder gereizte Augen. Auch der Kontakt mit problematischen Inhalten im Netz tritt verstärkt auf: Viele Jugendliche begegnen online Fake News, extremen politischen oder religiösen Inhalten sowie Hate Speech. Als besonders belastend werden ungewollte Nacktbilder, Mobbing sowie Inhalte zu Essstörungen oder selbstverletzendem Verhalten wahrgenommen. TikTok wird dabei am häufigsten mit solchen problematischen Inhalten in Verbindung gebracht.

Die Studie verdeutlicht zudem einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und Wohlbefinden. Während sich die meisten Jugendlichen insgesamt wohlfühlen, berichten insbesondere Mädchen häufiger von Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Dies gilt verstärkt für Jugendliche mit hoher Social-Media-Nutzung wie etwa TikTok. Ein wichtiger Schutzfaktor bleibt die familiäre Unterstützung: Jugendliche mit einer starken familiären Einbindung weisen insgesamt höhere Wohlbefindenswerte auf.

Link zu den Studienergebnissen: https://mpfs.de/studie/jimplus-2026/

 

Quelle: Pressemeldung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs), Stuttgart, 15. Juli 2026

Sexualdelikte an Kindern und Jugendlichen noch immer auf hohem Niveau

Das aktuelle Bundeslagebild zu Sexualdelikten zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen zeigt rückblickend für das Jahr 2025 weiterhin besorgniserregend hohe Fallzahlen. Die Zahl der registrierten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen ist erneut gestiegen. Besonders deutlich nahm dabei die Zahl sogenannter »Hands-Off-Delikte« zu, also von Missbrauchshandlungen ohne Körperkontakt, die vor allem im digitalen Raum stattfinden. Das Bundeskriminalamt verweist zudem auf die zunehmende Bedeutung von Cybergrooming, Sextortion und KI-gestützten Tatbegehungsformen. Während Straftaten im Zusammenhang mit kinderpornografischen Inhalten leicht zurückgingen, erreichten Delikte mit jugendpornografischen Inhalten einen neuen Höchststand (11.515 Fälle; +19,9 %).

Link zum Bundeslagebericht Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen 2025 https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2026/Presse2026/260721_PM_BLB_SexualdeliktezNvKindernuJugendlichen.html

 

Quelle: Pressemitteilung des Bundeskriminalamts, Wiesbaden, 21. Juli 2026

Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung

Zum 1. August 2026 ist der Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung für Kinder der ersten Klassenstufe in Kraft getreten. In den kommenden Jahren wird der Anspruch schrittweise auf die Klassenstufen zwei bis vier ausgeweitet und gilt ab dem Schuljahr 2029/30 für alle Grundschulkinder. Ziel ist es, Bildungschancen zu verbessern, Familien zu entlasten und eine verlässliche Betreuung sicherzustellen. Der Bund unterstützt Länder und Kommunen beim Ausbau der Ganztagsangebote mit umfangreichen Investitionen in Infrastruktur und Betriebskosten.

Bereits im vergangenen Jahr hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) die Bedeutung des Ganztags als wichtigen Präventionsraum hervorgehoben und sich dafür ausgesprochen, den Kinder- und Jugendschutz als festen Bestandteil von Ganztagsangeboten zu verankern und Schutzkonzepte, Präventionsansätze sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin, 30. Juli 2026

Zahl der Kindeswohlgefährdungen erneut auf Höchststand

Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2025 bei rund 79.800 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das sind 10 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr und zugleich der vierte Höchststand in Folge. Dies geht aus einer Meldung des Statistischen Bundesamts hervor. Besonders häufig wurden Vernachlässigung (58%) und psychische Gewalt (38%) festgestellt. 25 Prozent der betroffenen Kinder wiesen hierbei nicht nur Anzeichen für eine, sondern für mehrere Gefährdungsarten auf.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war mehr als die Hälfte der von einer Kindesgefährdung betroffenen Kinder höchstens acht Jahre alt. In 74 Prozent aller Fälle ging die Gefährdung von hauptsächlich einem Elternteil aus. Auch die Zahl der Verdachtsmeldungen erreichte mit rund 268.300 Fällen einen neuen Höchststand. Der Großteil der entsprechenden Hinweise kam hier von Polizei und Justiz (30 %) sowie aus der Bevölkerung (Verwandte, Bekannte, Nachbar:innen oder anonyme Hinweisgeber:innen).

 

Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis), Berlin, 13. August 2026

Nihilistische Gewalt-Communities im Internet

klicksafe

Die Initiative klicksafe weist auf Netzwerke nihilistischer Gewalt im Internet hin, die sich insbesondere über schwer zugängliche und anonyme Kommunikationsräume organisieren. Die entsprechenden Communities verherrlichen und befürworten Gewalt. Propagiert wird hierbei die Vorstellung, dass das Leben sinnlos und moralische Grenzen bedeutungslos seien. In Abgrenzung zu extremistischen Gruppen folgen nihilistische Bewegungen in der Regel keiner politischen oder religiösen Ideologie. Stattdessen stehen Hoffnungslosigkeit, Zynismus und die Faszination für Gewalt und Machtmissbrauch im Mittelpunkt.  

Die Mitglieder dieser Netzwerke sprechen gezielt junge Menschen an und nutzen dabei unterschiedliche Strategien. Nach Angaben von klicksafe durchsuchen die Täter:innen soziale Netzwerke gezielt nach Hinweisen auf Einsamkeit oder psychische Belastungen, um so insbesondere mit vulnerablen Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Nach erfolgreicher Kontaktaufnahme geben sie sich häufig als Vertrauenspersonen aus, um an private oder intime Informationen zu gelangen. Diese können anschließend als Druckmittel genutzt werden, um die Betroffenen zu manipulieren, zu kontrollieren oder auch für eigene Gewaltzwecke zu erpressen.

Meldung von klicksafe: https://www.klicksafe.de/news/nihilistische-gewaltgruppen-im-internet-was-eltern-und-paedagogische-fachkraefte-wissen-sollten

 

 

Quelle: Meldung von klicksafe, Ludwigshafen, 17. August 2026

DHS Fachkonferenz SUCHT 2026 am 27. und 28. Oktober 2026

logo

Die sichtbaren Folgen von Drogenkonsum im öffentlichen Raum rücken Suchterkrankungen zunehmend in den Fokus. Trotz ihrer weiten Verbreitung bleiben Abhängigkeiten häufig tabuisiert. Gleichzeitig wachsen die Herausforderungen durch Versorgungslücken, neue digitale Abhängigkeitsformen sowie die oft wenig beachteten Belastungen von Angehörigen und Kindern.

Die 65. DHS Fachkonferenz SUCHT widmet sich diesem Spannungsfeld unter dem Titel »Öffentlicher Raum und Verborgene Welten« am 27. und 28. Oktober 2026 in Essen. Die zweitägige Konferenz im Haus der Technik bietet ein vielfältiges Programm mit Plenarvorträgen unterschiedlicher Expert:innen, Themenforen zu Diagnostik und Prävention, Panel-Diskussionen sowie niedrigschwelligen Austauschformaten.

Link zum Tagungsprogramm: https://www.dhs-fachkonferenz.de/

 

Quelle: Pressemeldung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS), Hamm, 21. August 2026

Publikationen

Titelblatt Dossier Jugendschutz in Leichter Sprache

Dossier 2/2026 »Jugendschutz in Leichter Sprache«

aktualisierte Neuauflage 2026

Wie können Kinder und Jugendliche vor Risiken geschützt werden? Welche Regeln gelten für Alkohol, Tabak oder andere jugendgefährdende Angebote? Und warum ist Jugendschutz wichtig? ...
KJug 2-2026 Titelblatt

Sexuelle Grenzverletzungen (online)

Kinder- und Jugendschutz in Wissenschaft und Praxis Ausgabe 2/2026

Kinder und Jugendliche wachsen heute selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Gleichzeitig entstehen dadurch neue Risiken: Technologiegestützte sexualisierte Gewalt hat in den vergangene ...
Dossier 1/2026 »Jugendmedienschutz in Leichter Sprache«

Dossier 1/2026 »Jugendmedienschutz in Leichter Sprache«

aktualisierte Neuauflage 2026

Im Fokus des aktualisierten Dossiers stehen die Regelungen des Jugendmedienschutzes in Deutschland. Diese werden in Leichter Sprache erläutert und visualisiert und richten sich an Fachkräfte ...
Titelblatt KJug 1-2026

Kinder- und Jugendschutz im Diskurs – zwischen Kontinuität und Wandel

Kinder- und Jugendschutz in Wissenschaft und Praxis Ausgabe 1/2026

Die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifend verändert. Analoge wie digitale Medien prägen ihren Alltag maßgeblich. Gleichzeitig ...

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