Newsletter

Jugendschutz Newsletter Nr. 6 vom 26.04.2022

im aktuellen Newsletter finden Sie wie gewohnt Nachrichten und Rechercheergebnisse der letzten Wochen zu den unterschiedlichsten Handlungsfeldern des Kinder- und Jugendschutzes. Aufgrund der Osterpause finden sich darin auch ältere, aber nicht weniger relevante Meldungen.

Die Nachrichten geben nicht unbedingt die Meinung der BAJ wieder. Sie sind Ergebnisse redaktioneller Auswahl, Bearbeitung und Recherche und geben einen Überblick über wichtige Ereignisse und Entwicklungen mit Bedeutung für den Kinder- und Jugendschutz.

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UN-Kinderrechtskonvention vor 30 Jahren in Deutschland in Kraft getreten

Sena

Deutschland hat die UN-Kinderrechtskonvention am 05. April 1992, zwei Jahre nach deren in Kraft treten, ratifiziert. Die UN- Kinderrechtskonvention gilt als Maßstab für die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, die im aktuellen Koalitionsvertrag erneut auf die Agenda gesetzt wurde. 
In den vergangenen zwei Jahren, in denen Kindertagestätten, Schulen und außerschulische Angebote aufgrund der Pandemie teilweise komplett zum Erliegen gekommen sind, wurde die Bedeutung der Kinderrechte nochmals verdeutlicht. Im Kinder- und Jugendschutz werden die Kinderrechte mit Blick auf die Mediennutzung, Suchtgefährdungen oder sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche thematisiert. 
Aus Anlass des Inkrafttretens der UN-Kinderrechtskonvention vor 30 Jahren, weist die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) daher erneut und explizit darauf hin, dass die Kinderrechte auch im digitalen Umfeld für alle Kinder und Jugendlichen Gültigkeit besitzen. 
Die National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, deren Mitglied die BAJ ist, hat zum Jahrestag der Ratifizierung Statements von Jugendlichen veröffentlicht. Sie finden sich unter https://netzwerk-kinderrechte.de/

 

Quelle: Meldung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. (BAJ), Berlin, 05. April 2022

Erste Beiratssitzung bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ)

BZKJ

Am 24. März 2022 fand der neu eingerichtete Beirat bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Die zwölf Mitglieder und deren Stellvertretungen, darunter auch Jugendliche, beschäftigten sich in der ersten Sitzung mit den gesetzlichen Aufgaben der BzKJ und ihrer beratenden Rolle als Beiratsmitglieder. Die jungen Beiratsmitglieder gaben Einblicke in ihren Alltag mit der Nutzung digitaler Medien.
Mit Inkrafttreten des neuen Jugendschutzgesetzes (JuSchG) zum 1. Mai 2021 wurde in der Folge gemäß § 17b JuSchG ein Beirat bei der BzKJ eingerichtet, der sie bei der Erfüllung der Aufgaben nach dem JuSchG berät. Der Beirat soll bei der Beratung der Behörde durch einen ganzheitlichen, interdisziplinären und kinderrechtlich ausgerichteten Blick das Wohl und die Interessen von Kindern und Jugendlichen und ihr Recht auf Schutz, Befähigung und Teilhabe in Bezug auf die Nutzung digitaler Medien in den Mittelpunkt stellen.
Nach den gesetzlichen Vorgaben gehören dem Beirat bis zu zwölf Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Institutionen an, die sich in besonderer Weise für die Verwirklichung der Rechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Diese sind die National Coalition Deutschland, die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, die Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege, der Bundeselternrat, die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Familienorganisationen, die Bundesvereinigung Lebenshilfe, die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, die Gesellschaft für Medienpädagogik, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren und der Deutsche Bundesjugendring. Zwei der Sitze im Beirat wurden nach der Durchführung eines bewerberoffenen Auswahlverfahrens mit Personen besetzt, die zum Zeitpunkt ihrer Berufung höchstens 17 Jahre alt sind.

Einblick in jugendliche Lebenswelten: Der inhaltliche Austausch im Rahmen der digitalen Sitzung begann mit der Begrüßung durch den Direktor der BzKJ Sebastian Gutknecht und einer Videobotschaft der Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Margit Gottstein. Im Anschluss an ein gegenseitiges Kennenlernen der Beiratsmitglieder wurden die Aufgaben der BzKJ nach dem Jugendschutzgesetz und der Verortung der Unterstützung der BzKJ durch den Beirat bei der Erfüllung dieser Aufgaben erörtert.
Die zwei jungen Beiratsmitglieder und deren Stellvertretungen gaben in ihrem Bericht aus der jugendlichen Lebenswelt Einblicke in ihren Alltag mit digitalen Medien und zeigten aktuelle Entwicklungen, Schwerpunkte und Herausforderungen der Mediennutzung aus ihrer Sicht auf. Der Bericht wurde von den jungen Beiratsmitgliedern in einem der Beiratssitzung vorausgegangenen Workshop-Tag erarbeitet, der seitens des Deutschen Bundesjugendrings und der BzKJ begleitet wurde.

»Ich bin froh über den lebendigen und konstruktiven fachlichen Austausch, den wir bereits in der ersten Sitzung des gerade ins Leben gerufenen Gremiums miteinander geführt haben. Die Pluralität der Zusammensetzung des Beirats ermöglicht es, aktuelle kinder- und jugendmedienschutzrelevante Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und gemeinschaftlich Lösungsansätze für Problemlagen zu erörtern. Ich danke allen Mitgliedern herzlich für ihre Bereitschaft, den Beirat mit ihrer Expertise zu bereichern, insbesondere den Jugendlichen für ihre sehr wertvollen Impulse aus ihrem Mediennutzungsalltag«, resümierte Sebastian Gutknecht zum Abschluss der Sitzung.

ANMERKUNG: Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. (BAJ) ist mit zwei Vorstandsmitgliedern im neuen BzKJ-Beirat vertreten.

 

Quelle: Meldung der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ), Bonn, 25. März 2022

PERSONELLES

Lisa Paus übernimmt Amt der Bundesfamilienministerin
Lisa Paus wurde am 25. April von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ernannt. Am 27. April wird sie im Bundestag vor dem Parlament auf ihr neues Amt vereidigt.
Paus ernannte Ekin Deligöz erneut zur Parlamentarischen Staatssekretärin und Sven Lehmann weiterhin zum Parlamentarischen Staatssekretär. Auch Margit Gottstein führt als beamtete Staatssekretärin ihr Amt fort.

Weitere Informationen unter https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/lisa-paus-uebernimmt-amt-der-bundesfamilienministerin-196218

Kerstin Claus ist neue Missbrauchsbeauftragte
Die Journalistin Kerstin Claus wurde am 30. März zur Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) berufen. Mit Kerstin Claus wird das Amt ab dem 1. April für die nächsten fünf Jahre neu besetzt. Die Unabhängige Beauftragte ist im Auftrag der Bundesregierung verantwortlich für die Anliegen von Betroffenen und eine Stelle für alle, die sexualisierter Gewalt und Ausbeutung an Kindern und Jugendlichen entschieden entgegentreten.
Weitere Informationen unter www.beauftragte-missbrauch.de.

Sarah Lahrkamp leitet die neu konstituierte Kinderkommission
Im Beisein der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), hat sich am Donnerstag, 24. März 2022, der Unterausschuss »Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder (Kinderkommission)«, kurz »KiKo«, konstituiert. Das Gremium ist ein Unterausschuss des Familienausschusses. Den zwischen den Fraktionen rotierenden Vorsitz übernimmt zunächst Sarah Lahrkamp (SPD). Der Vorsitz soll anknüpfend an die bisherige Praxis zwischen den Mitgliedern in der Reihenfolge der Fraktionsgröße wechseln.

Mitglieder der Kinderkommission
SPD: Sarah Lahrkamp, Stellvertreterin: Jasmina Hostert
CDU/CSU: Paul Lehrieder, Stellvertreterin: Dr. Katja Leikert
Bündnis 90/Die Grünen: Emilia Fester, Stellvertreterin: Nina Stahr
FDP: Matthias Seestern-Pauly, Stellvertreterin:  Katja Adler
AfD: Gereon Bollmann, Stellvertreterin: Beatrix von Storch
Die Linke: Heidi Reichinnek, Stellvertreterin: Gökay Akbulut

 

Quellen: Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums, 25. April 2022; Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums, 30. März 2022; hib – heute im bundestag, 24. März 2022

Zunehmende Privatisierung fach- und hochschulischer Qualifizierung in der Kinder- und Jugendhilfe: Chancen, Herausforderungen und Anforderungen an eine hochwertige Qualifizierung

Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

AGJ

In der Qualifizierungslandschaft der Kinder- und Jugendhilfe ist ein seit Jahren zunehmender Anteil an privaten Anbietern zu beobachten. Insbesondere der Anteil privater Qualifizierungsanbieter im Hochschulbereich erfährt derzeit ein rapides Wachstum, während private Träger auf Fachschulebene bereits stark etabliert sind. Dabei werden insbesondere duale wie Fernstudiengänge vorrangig von privaten Ausbildungsträgern angeboten.
Die Ausweitung der Trägerlandschaft und die zunehmende Privatisierung der Qualifizierungsangebote für die Kinder- und Jugendhilfe haben eine Veränderung der Qualifizierungslandschaft insgesamt zur Folge. Deren mögliche Auswirkungen sowohl im fach- als auch hochschulischen Bereich werden bisher noch nicht systematisch erfasst und können daher auch nicht belastbar analysiert und bewertet werden. Dennoch arbeitet die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ in dem vorliegenden Papier spezifische Herausforderungen der Qualitätssicherung und -entwicklung im Kontext der Qualifizierung der Fachkräfte für die Kinder- und Jugendhilfe heraus, die sich sowohl grundsätzlich als auch für den jeweiligen Bereich der Fach- bzw. Hochschulen im Zuge der zunehmenden Privatisierung der Qualifizierungsangebote ergeben. In dem Zusammenhang konstatiert die AGJ, dass verschiedene Instrumente und Kontrollmechanismen der Qualitätssicherung und -entwicklung bereits vorhanden sind. Diese müssen jedoch im Licht der neu gestellten Herausforderungen zunehmender Privatisierung neu justiert bzw. mit den erforderlichen Ressourcen ausgestattet werden. Zudem muss ihre adäquate Umsetzung in der Praxis sichergestellt werden.
Während der erste Teil des Papiers entsprechende Empfehlungen beinhaltet, werden im zweiten Teil vertiefend die quantitativen und qualitativen Begründungszusammenhänge dargestellt, auf denen die Positionierung der AGJ fußt.
Das Papier wurde am 17./18. März 2022 vom Vorstand der AGJ beschlossen, Download hier.

 

Quelle: Pressemeldung der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendhilfe (AGJ), Berlin, 29. März 2022

Wir handeln jetzt!

Notfallplan: Einschreiten in der Not für geflüchtete Familien und Kinder aus der Ukraine – eine gemeinsame Erklärung unterzeichnender EREV- und BVkE-Mitgliedseinrichtungen

Täglich flüchten Frauen, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen aus der Ukraine nach Deutschland. Laut UNHCR-Angaben sind bisher 4 Millionen Menschen aufgrund des Krieges aus der Ukraine geflüchtet. Auch wenn die Gesamtzahl von 275.000 Einreisen von Flüchtlingen nach Deutschland derzeit nur geschätzt werden kann, machen die Bilder am Berliner oder Hamburger Hauptbahnhof die Not eindrücklich deutlich: die jungen Menschen und Familien brauchen eine sichergestellte Erstversorgung, Unterstützung in der Krise, im Umgang mit familiären Trennungen, Traumatisierungen und Verlusten. 
Während die Zuständigkeitserklärung der Kinder- und Jugendhilfe politisch noch umstritten ist und durch ehrenamtliches Engagement vielen Flüchtenden geholfen wird, ist für die unterzeichnenden Einrichtungen dieser Erklärung bereits klar: Der Kinderschutz muss an erster Stelle stehen! 
Wir appellieren daher an ein krisenerprobtes Kinder- und Jugendhilfesystem und stellen es in die Verantwortung, jetzt zu handeln, um das Wohl der Kinder und Jugendlichen sicherzustellen. Das Vorgehen in einer solchen Krise kann sich nur an den Leitlinien des Kinderschutzes orientieren: 
Dafür bedarf es einer zentralen Koordinierung in den Kommunen, die auch die Kinder im Blick haben, die in privaten Unterkünften versorgt werden, sowie einer Koordination des Bundes und der Länder, die die Unterbringung von Heimeinrichtungen unter der Federführung der Kinder- und Jugendhilfe steuert. 
In der konkreten Umsetzung heißt das: Wir wollen jungen Menschen und Familien jetzt Zuflucht und Sicherheit gewähren, räumliche und personelle Ressourcen bereitstellen und Platzkapazitäten erweitern – und zwar auch dann, wenn die herkömmlichen Strukturen und Verfahren der Betriebserlaubnis und Kostenübernahme hier zunächst unklar sind. Hierfür ist es erforderlich, dass die aufsichtführenden öffentlichen Träger diese Maßnahmen unterstützen und Rechtssicherheit herstellen. 
Ein entschiedenes Handeln in der Not macht es unumgänglich, den Kinderschutz voranzustellen und die Überführung in regelhafte Strukturen erst im unmittelbaren Anschluss gemeinsam voranzubringen. Die unterzeichnenden Einrichtungen setzen sich daher dafür ein, allein reisende junge Menschen, Kinder und Jugendliche aus Heimen sowie Familien kurzfristig aufzunehmen, auch dann, wenn mittelfristig das bürokratische Verfahren der Betriebserlaubnis noch aussteht. In diesem Notfall gilt es, alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um Ressourcen zu bündeln, indem zum Beispiel auch die Platzkapazitäten in bestehenden Regelwohngruppen erweitert oder junge Menschen und Familien über die Hilfe in Notsituationen nach § 20 SGB VIII untergebracht werden. 
Wir erklären uns bereit für dieses gemeinsame und entschiedene Handeln in Verantwortung und im Sinne des Kinderschutzes. 

Hannover, Freiburg, 01. April 2022 
Koordination des Appells: Evangelischer Erziehungsverband e.V
Bundesverband Caritas Kinder- und Jugendhilfe e.V.

Quelle: Pressemeldung des Evangelischen Erziehungsverband e.V. – EREV, Hannover, 04. April 2022

Zuwanderung aus der Ukraine. Rechte der Kinder, Jugendlichen und ihrer Familien sichern

Stellungnahme

BVKe

Täglich flüchten Frauen, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen aus der Ukraine nach Deutschland. Laut UN-Angaben sind bisher 2,5 Million Menschen aufgrund des Krieges aus der Ukraine geflüchtet. Verlässliche Angaben fehlen, da eine Registrierung der Geflüchteten in vielen Fällen noch stattfinden muss. Die Einreise zahlreicher Ukrainer/-innen geschieht mithilfe privat organisierter Initiativen und viele der Geflüchteten sind auf ihren Fluchtrouten voneinander getrennt worden.
Vielerorts greifen humanitäre Hilfen. Einige Bundesländer und Kommunen haben bereits hilfreiche Portale z.T. mit muttersprachigen Informationen zu Aufenthalt, Versorgung und Unterstützung vor Ort erstellt. Insbesondere in Großstädten werden Unterkunftsmöglichkeiten organisiert und Sammelunterkünfte aufgebaut. Im Vordergrund steht aktuell die Sicherstellung der Erstversorgung.

Die Erziehungshilfedachverbände AFET - Bundesverband für Erziehungshilfe e.V., Bundesverband Caritas Kinder- und Jugendhilfe e.V. Evangelischer Erziehungsverband e.V. und die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen haben eine ausführliche Stellungnahme herausgegeben in der zentrale Fragen aufgeworfen werden und erste Handlungsempfehlungen gegeben werden.
Die Stellungnahme findet sich unter https://www.bvke.de/stellungnahmen/zuwanderung-aus-der-ukraine-7981c3ac-6a52-45d3-92c9-06c3c56653ea 

 

Quelle: Meldung des Bundesverbands Caritas Kinder- und Jugendhilfe e. V. (BVkE), Freiburg, 16. März 2022

Cannabis-Legalisierung: Risiken nicht bagatellisieren

dgppn

Von Substanzabhängigkeit, kognitiven Beeinträchtigungen und affektiven Störungen über Psychosen bis hin zu erhöhter Suizidalität – intensiver Cannabiskonsum birgt erwiesenermaßen schwerwiegende Gesundheitsrisiken. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) zeigt in ihrem Positionspapier anhand des aktuellen Forschungsstandes auf, worauf bei einer kontrollierten Abgabe von Cannabis aus psychiatrischer Sicht zwingend zu achten ist.

Ein Blick in europäische Nachbarländer oder die USA zeigt, dass eine Cannabis-Legalisierung die Zahl der regelmäßigen Konsumenten und in der Folge die Zahl der Menschen erhöhen kann, die cannabisbezogene Störungen und Folgeerkrankungen entwickeln. Die größten gesundheitlichen Risiken bestehen vor allem bei einem intensiven und langjährigen Konsum sowie einem Konsumbeginn im Jugendalter. Etwa 10% aller Cannabiskonsumenten entwickeln über die Lebenszeit eine Abhängigkeit. Aus Sicht der DGPPN muss eine kontrollierte Abgabe daher eng medizinisch-wissenschaftlich begleitet werden und mit den folgenden Maßnahmen einhergehen:

Prävention: Sowohl spezifische verhaltens- als auch verhältnispräventive Maßnahmen müssen zum Tragen kommen.
Jugendschutz: Um einen schädlichen Einfluss auf die Hirnreifung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu vermindern, soll die Altersgrenze des Zugangs nicht unter 21 Jahren liegen.
Beratung und Behandlung: Der Ausbau niedrigschwelliger, kultursensibler und flächendeckender Beratungs- und Behandlungsangebote muss vorangetrieben werden.
Begleitforschung: Die Auswirkungen und Marktentwicklungen der kontrollierten Cannabisfreigabe müssen intensiv beforscht werden.
Finanzierung: Es ist sicherzustellen, dass die Einnahmen aus dem Cannabisverkauf vollständig zur Förderung von Prävention und Jugendschutz sowie zur Suchtversorgung und -forschung verwendet werden.

»Noch sind viele Fragen völlig ungeklärt. Wie werden Jugend- und Gesundheitsschutz sichergestellt? In welcher Form werden Verbraucher über die Risiken sowie über Hilfs- und Beratungsangebote informiert? Wie sollen Evaluierung und Begleitforschung aussehen? Prävention sowie Früherkennung und -intervention müssen von Anfang an mitgedacht werden, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nachkommen und nicht dazu beitragen will, dass mehr Menschen psychisch erkranken. Gerade bei Jugendlichen unter 21 Jahren hat Cannabiskonsum einen Einfluss auf die Hirnreifung und kann das Psychose-Risiko erhöhen«, mahnt DGPPN-Präsident Thomas Pollmächer. »Den gesundheitlichen Risiken muss daher mit einem differenzierten und umsichtigen Regelwerk begegnet werden, dem Prävention und Jugendschutz als Prämissen zugrunde zu legen sind«, fasst Pollmächer zusammen.

Eine Arbeitsgruppe von führenden Expertinnen und Experten hat im aktuellen Positionspapier der DGPPN den Kenntnisstand zu Cannabiskonsum und psychischer Gesundheit zusammengetragen und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. → https://www.dgppn.de/ 

 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN), Berlin, 25. April 2022

Jedes zehnte acht- bis zehnjährige Kind hat bereits Cybergrooming erfahren

Landesanstalt für Medien NRW veröffentlicht Sonderauswertung zur Erfahrung mit sexualisierter Ansprache im Netz

Landesanstalt für Medien

Fast ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen (24%) wurde bereits im Netz von Erwachsenen zu einer Verabredung aufgefordert. Das hat eine repräsentative Befragung von Kindern und Jugendlichen, die die Landesanstalt für Medien NRW in Auftrag gegeben hat, gezeigt. Besonders das Phänomen des Cybergrooming, welches die Kontaktaufnahme Erwachsener mit sexuellen Absichten mit Kindern und Jugendlichen beschreibt, stand dabei im Zentrum der Befragung. Veröffentlicht wurden diese Zahlen Ende letzten Jahres.
Nun hat KB&B Family Marketing Experts außerdem eine Sonderauswertung mit der Altersgruppe der Acht- bis Zehnjährigen durchgeführt – und die Zahlen sind besorgniserregend. Bereits in dieser jungen Altersgruppe nutzen knapp 58 Prozent der befragten Kinder WhatsApp und über 30 Prozent TikTok. Und sie erleben Cybergrooming. Über alle abgefragten Arten des Cybergrooming – wie beispielweise Verabredungen über das Internet, der Versand oder das Empfangen von Fotos – gibt fast jedes zehnte Kind an, diese Erfahrung bereits gemacht zu haben.
Es zeigt sich, dass sich Kinder in dieser jungen Altersgruppe seltener gegen diese Kontaktaufnahmen wehren. Während im Durchschnitt der 8- bis 18-Jährigen rund 54 Prozent angeben, solche Kontaktaufnahmen zu blockieren, sind es bei den 8- bis 10-Jährigen nur rund 21 Prozent. Ähnlich sieht es damit aus, den Kontakt zu jemandem, der sich ihrem Empfinden nach ihnen gegenüber falsch verhalten hat, abzubrechen. Fast 44 Prozent der 8- bis 18-Jährigen brechen den Kontakt ab. Bei den 8- bis 10-Jährigen machen das nur knapp 20 Prozent.
Umso dringender wünscht sich die junge Altersgruppe, das Thema zuhause oder in der Schule besprechen zu können. Über 65 Prozent der Kinder geben an, dass es ihnen helfen würde, das Thema stärker in der Schule anzugehen (Gesamtdurchschnitt zum Vergleich: 60,2%). Über 52 Prozent möchten es mehr zuhause besprechen (Gesamtdurchschnitt zum Vergleich: 44,7%). Zurückhaltender sind die 8- bis 10-Jährigen damit, sich an die Polizei oder öffentliche Meldestellen zu richten.

 

Quelle: Pressemeldung der Landesanstalt für Medien NRW, Düsseldorf, 31. März 2022

USK-Jahresrückblick 2021: Themenschwerpunkte, Prüfzahlen und Meilensteine

USK

Auch im zweiten Jahre der Pandemie haben digitale Medien eine große Rolle im Alltag von Kindern und Jugendlichen gespielt. Damit die Balance zwischen Teilhabe am Medium Games und dem Schutz vor beeinträchtigenden Inhalten gelingt, engagiert sich die USK in unterschiedlichen Bereichen für den Jugendschutz bei digitalen Spielen.
2021 hat die USK insgesamt 1744 Verfahren zur Altersfreigabe von digitalen Spielen in Deutschland organisiert und durchgeführt. Auch mit Blick auf die Aufgaben der USK im Zusammenhang mit der Novelle des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) gab es 2021 entscheidende Entwicklungen. Mit ihrer Expertise im Gaming-Bereich hat das USK-Team außerdem an verschiedenen Fachtagungen und Online-Veranstaltungen teilgenommen, sowie zum Thema „Jugendschutz bei digitalen Spielen“ Vorträge gehalten. Diese Arbeitsschwerpunkte, sowie alle wichtigen Ereignisse und Prüfzahlen des vergangenen Jahres können nun im Detail im aktuellen Jahresrückblick 2021 der USK nachgelesen werden.
Elisabeth Secker, Geschäftsführerin der USK: »Im vergangenen Jahr hat die USK wichtige Meilensteine für einen besseren Kinder- und Jugendmedienschutz erreicht. Durch die Änderung des Jugendschutzgesetzes im Mai 2021 wurden zahlreiche Neuerungen für die Kennzeichnung digitaler Spiele auf den Weg gebracht. Zusammen mit den zuständigen Obersten Landesjugendbehörden und ihren Ständigen Vertreter/-innen sowie der Expertise unserer Jugendschutzsachverständigen, hat die USK unter Beteiligung der Zielgruppen aus Eltern, pädagogischen Fachkräften sowie Kindern und Jugendlichen konkrete Vorschläge zur praktischen Ausgestaltung erarbeitet, die nun in Vereinbarungen mit den Ländern münden können.«
Der vollständige USK-Jahresrückblick 2021 unter: https://usk.de/der-usk-jahresrueckblick-2021/ 

 

Quelle: Pressemitteilung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), Berlin, 24. März 2022

Dem Hacker auf der Spur

BMBF startet Initiative, um Kinder und Jugendliche für IT-Sicherheit zu sensibilisieren

Tonis


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat am 01. April die Kommunikationsinitiative »Sichere die digitale Zukunft!« gestartet, um Schülerinnen und Schüler für IT-Sicherheitsforschung zu sensibilisieren.
Jugendliche wachsen heute selbstverständlich mit Smartphone, Internet und sozialen Medien auf. Gleichzeitig lässt die schnelle Verbreitung von Informationen die Welt zusammenrücken und stellt klassische Formen der Meinungsbildung in den Schatten. Hinzu kommt, dass kritische Infrastrukturen durch die Digitalisierung zunehmend Ziele von Cyberangriffen werden. 
In dieser immer stärker vernetzten Welt sind Sicherheit und Privatheit im digitalen Raum für die Gesellschaft und jeden Einzelnen essenziell. Um dies zu verdeutlichen, hat das BMBF die Kommunikationsinitiative »Sichere die digitale Zukunft!« gestartet. Sie soll vor allem junge Menschen dazu befähigen, die Aufgaben und Themen der IT-Sicherheitsforschung besser zu verstehen.
Im Zentrum der Initiative steht das Onlinespiel »Tonis Escape – dem Hacker auf der Spur«. Das Spiel kann alleine oder in der Gruppe, zuhause oder im Unterricht gespielt werden. Die Inhalte thematisieren die IT-Sicherheitsforschung und spielen im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Für die Einbindung des Themas in den Schulunterricht stehen Lehrkräften eine begleitende Handreichung sowie die Inhalte der Website zur Verfügung.
Das Spiel nutzt einen Escape-Room-Ansatz und führt Spielende durch drei aufeinander folgende Themenwelten, die eine lineare Geschichte ergeben. In der ersten Themenwelt geht es darum, die Protagonistin des Spiels, Toni Webber, bei der Überwindung eines Cyberangriffs auf ihr Smart Home zu unterstützen. Hier stehen Themen digitale Vernetzung, sichere Passwörter und künstliche Intelligenz (KI) im Vordergrund. In der zweiten Themenwelt, die ab Mai spielbar sein wird, sind die Spielerinnen und Spieler in einem autonom fahrenden Auto unterwegs und müssen Tonis Eltern befreien. Hier geht es um intelligente Mobilität und digitale Bezahlsysteme. In der dritten Themenwelt, die ab Juni verfügbar sein wird, jagen die Spielenden den Hacker. Um ihn zu stellen, müssen sie Informationen auswerten und sich mit Desinformation und Verschlüsselungstechniken auseinandersetzen.

Hintergrund: Die Kommunikationsinitiative ist eine Maßnahme des Forschungsrahmenprogramms der Bundesregierung zur IT-Sicherheit »Digital. Sicher. Souverän.« Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Forschung im Bereich »Vernetzung und Sicherheit digitaler Systeme«. Die Kommunikationsinitiative »Sichere die digitale Zukunft!« gehört zu einem Maßnahmenpaket, das im Rahmen des Forschungsrahmenprogramms geschnürt wurde. Es stellt mit zielgruppengerechten Formaten die Forschung im Bereich IT-Sicherheit und Privatheit vor und zeigt, wie wichtig diese Forschung für eine sichere digitale Zukunft ist.

Das Online-Spiel kann gespielt werden unter: https://tonis-escape.sichere-digitale-zukunft.de/v1.0/  

 

Quelle: Pressemeldung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), Berlin, 01. April 2022

Kein Raum für Mißbrauch

Kein Raum für Missbrauch
Die BAJ unterstützt die Kampagne »Kein Raum für Missbrauch« des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und deren Zielsetzung für ein gesamtgesellschaftliches Bündnis gegen sexualisierte Gewalt.

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