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Jugendschutz Newsletter Nr. 10-2020 vom 12.08.2020

im aktuellen Newsletter finden Sie wie gewohnt Nachrichten und Rechercheergebnisse der letzten Wochen zu den unterschiedlichsten Handlungsfeldern des Kinder- und Jugendschutzes. Die Nachrichten geben nicht unbedingt die Meinung der BAJ wieder. Sie sind Ergebnisse redaktioneller Auswahl, Bearbeitung und Recherche, sie wollen einen Überblick über wichtige Ereignisse und Entwicklungen mit Bedeutung für den Kinder- und Jugendschutz geben.

SINUS-Jugendstudie 2020 - Wie ticken Jugendliche?

Sinus

Die SINUS-Jugendstudie 2020 »Wie ticken Jugendliche?« untersucht alle vier Jahre die Lebenswelten 14- bis 17-jähriger Teenager in Deutschland. Die Fragestellungen der neuen Studie waren: Welche Themen sind der Jugendgeneration wichtig? Wie blicken die jungen Menschen in die Zukunft? Und nicht zuletzt: Wie kommen die Jugendlichen in der Ausnahmesituation der Corona-Krise zurecht?

Die junge Generation ist ernster geworden – ernsthafter einerseits, besorgter andererseits. Das betrifft den Umgang mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie und mehr noch die für sie offensichtliche Bedrohung durch die globale Klimakrise. Bei beiden Themen und im Allgemeinen fühlt sich die junge Generation nicht ernst genommen und repräsentiert. Der Zukunftsoptimismus der Jugendlichen ist gedämpft, insbesondere in den bildungsfernen Lebenswelten. 
Zentrale Ergebnisse der SINUS-Jugendstudie 2020 im Überblick:
Grundeinstellung: Die hedonistische Mentalität ist auf dem Rückzug – Leistung und Selbstverantwortung stehen bei den Jugendlichen hoch im Kurs. 
Politik: Zu wenig politische Repräsentation – Viele Teenager fühlen sich von der Politik weder gehört noch ernst genommen, politische Akteure und Institutionen werden jedoch differenziert beurteilt.
Politik: Die Grundanmutung von Politik ist düster, aber es gilt als ›schön‹, Menschen zu helfen und sich für andere einzusetzen.
Klimawandel: Die Lösung der Klimakrise wird als zentrale Frage der Generationengerechtigkeit identifiziert.
Corona-Krise: Die Jugend ist genervt von den Einschränkungen, aber mitfühlend, solidarisch und verantwortungsbewusst.
Private Zukunft: Die ›bürgerliche Normalbiografie‹ ist das Leitmotiv vieler Teenager.
Berufliche Zukunft: Junge Menschen haben eher bodenständige und realistische Berufswunsche und suchen nach einem positiven Arbeitsumfeld.
Sport: In der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Halt und Orientierung liegt eine große Chance für den Sport.
Schule: Jugendliche finden Schule ›ganz okay‹, sehen aber kaum Chancen zur Mitgestaltung. 

Marc Calmbach, Bodo Flaig, James Edwards, Heide Möller-Slawinski, Inga Borchard, Christoph Schleer: SINUS-Jugendstudie 2020 - Wie ticken Jugendliche? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. 624 Seiten. Bonn

»Wie ticken Jugendliche?« ist eine im Auftrag von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, der BARMER, dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, dem Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, der Deutschen Sportjugend und der DFL Stiftung durchgeführte Studie des SINUS-Instituts, Heidelberg/Berlin.

 

Quelle: Pressemitteilung der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn/Berlin, 23. Juli 2020

ACT ON! 6. Short Report

act on

Der ACT ON! Short Report Nr. 6 behandelt die Perspektive von 10- bis 12-Jährigen auf die Glaubwürdigkeit von YouTuber/-innen. Die Gruppeninterviews zeigen, dass etliche Befragte bestimmte Präsentationsarten, wie z.B. Produktplatzierungen stark hinterfragen. Insgesamt reichen ihre Einschätzungen von vollständigem Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Botschaften bis hin zu ausgesprochener Skepsis gegenüber allen YouTuber/-innen. Zudem erklärten die 10- bis 12-Jährigen ihre Sicht auf weitere Risiken auf YouTube. Es können unter anderem die folgenden Schlussfolgerungen gezogen werden:

  • Die Heranwachsenden haben Kriterien und Indikatoren entwickelt, um die Glaubwürdigkeit von YouTuber/-innen zu beurteilen. Trotzdem fällt ihnen eine eindeutige Einordnung zuweilen schwer und nicht alle Kriterien sind wirklich geeignet.
  • Die Heranwachsenden verlieren ihre Skepsis meist, wenn es um die eigenen YouTube-Favoriten geht.
  • Die geäußerte Kritik stellt einen guten Anfang dar, um gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zuverlässigere Anhaltspunkte zu entwickeln.
  • Die Heranwachsenden sind mit der Vermeidung verstörender und ungeeigneter Inhalte überfordert. Einige ihrer selbst gefundenen Strategien können in pädagogischen Settings weiterentwickelt werden.

Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich: Die Glaubwürdigkeit der YouTuber/-innen ist den Befragten sehr wichtig. Zentrale Aspekte sind für sie die authentische Präsentation von Persönlichem, Ehrlichkeit bei Werbung und anderen Versprechen. Für wichtig halten sie auch korrekte Sachinformationen zu gesundheitsrelevanten Themen, wie beispielsweise zu Abnehmpillen. (Un-)glaubwürdigkeit machen sie an Kriterien fest, die entweder allgemein oder eher für spezifische Videoformate gelten: Sie achten etwa auf die innere Logik eines Videos oder bei Informationsvideos auf die Angabe von Quellen.

YouTube ist eine der beliebtesten und meistgenutzten Online-Plattformen für Jugendliche. In den Gruppeninterviews der ACT ON!-Monitoringstudie äußerten sich 85 Kinder und Jugendliche zu ihrer Perspektive auf die Plattform YouTube, die sie fast alle kennen und nutzen. Insgesamt gibt ein gutes Viertel der Befragten an, eigene Videos auf verschiedenen Plattformen, so auch Instagram, TikTok und Snapchat, zu veröffentlichen. Ein knappes Zehntel der Befragten veröffentlicht auf YouTube. Sie versuchen sich dort im Genre Let’s Play und erhoffen sich davon: Bekanntheit, positiven Zuspruch in den Kommentaren und Spaß an der Videoerstellung.

 

Quelle: JFFaktuell 07/20, München, 31. Juli 2020

Familie.Freunde.Follower: neue Präventionskampagne zum gesunden Umgang mit digitalen Medien

Flyer

Ob Tablet, Smartphone oder PC – digitale Medien sind aus unserem Alltag kaum noch weg zu denken. Neueste Zahlen belegen, dass während der Coronapandemie Kinder und Jugendliche 75 Prozent mehr mit dem Smartphone oder PC als vor der Krise spielen, um ihre Langeweile zu bekämpfen oder sich abzulenken. Dabei wird die Grenze zum gesunden Umgang mit digitalen Medien zunehmend überschritten.
Wichtiger denn je ist also, die Medienkompetenz und den bewussten Umgang mit Smartphones & Co. gerade von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Dabei helfen soll die neue Kampagne der Drogenbeauftragten Ludwig und Staatsministerin Bär »Familie.Freunde.Follower«, welche am 29. Juli in Berlin vorgestellt wurde.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig dazu: »Die Coronakrise hat es noch einmal deutlich gemacht: Digitale Medien sollten kein Ersatz für echte Freunde, kein dauerhafter Unterhalter oder alleiniges Spielzeug von Kindern und Jugendlichen sein. Es ist klasse, wenn sie wissen, was man alles so machen kann und es ist auch völlig ok, digitale Medien für Spiel und Spaß zu nutzen. Aber das klappt nicht ohne klare Regeln, ohne Grenzen und ohne gute Vorbilder – Stichwort Eltern! Unsere neue Kampagne wird von vielen tollen Partnern unterstützt, ist von Kinderärzten empfohlen und wird ein praktischer und hilfreicher Kompass für Eltern und Kinder im digitalen Universum sein.«
Die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, Staatsministerin Dorothee Bär sagt: »Es ist wichtig, Kindern schon im Grundschulalter den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien beizubringen. Da es allerdings für Eltern nicht immer ganz einfach ist, für ihre Kinder die richtige Balance für einen sinnvollen Medienkonsum zu finden, möchten wir Familien mit unserer Kampagne ›Familie.Freunde.Follower‹ praktische Alltagstipps vorschlagen.«
Neben klassischen Informationsmaterialien wie Plakaten und Flyern gibt es eine umfangreiche Webseite mit hilfreichen Tipps und Empfehlungen des Berufsverbandes der Kinder-und Jugendärzte. Mehr Informationen zur neuen Kampagne unter www.familiefreundefollower.de 

 

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und der Beauftragten der Bundesregierung für Digitalisierung, Berlin, 29. Juli 2020

Gaming, Social-Media & Corona

DAK-Gesundheit startet Präventionsoffensive Mediensucht 2020

DAK

Forschung, Vorsorge und Online-Hilfe: Die DAK-Gesundheit startet eine Präventionsoffensive »Mediensucht 2020«. Die Krankenkasse untersucht mit Suchtexperten am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) in einer Längsschnittstudie erstmalig die krankhafte Nutzung von Computerspielen und Social-Media nach den neuen ICD-11 Kriterien der WHO. Auch die Folgen der Covid-19-Pandemie werden erforscht. Erste Zwischenergebnisse: Bei fast 700.000 Kindern und Jugendlichen ist das Gaming riskant oder pathologisch. Im Vergleich zum Herbst 2019 nehmen die Spielzeiten unter dem Corona-Lockdown werktags um 75 Prozent zu. Als Reaktion auf die Ergebnisse verbessert die DAK-Gesundheit die Früherkennung. Ab 1. Oktober bietet die Kasse gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in fünf Ländern das bundesweit erste Mediensuchtscreening für 12- bis 17-Jährige an. 
Die aktuelle DAK-Studie führt das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE Hamburg durch. Erstmalig untersucht eine repräsentative Längsschnittstudie mit rund 1.200 Familien die Häufigkeiten pathologischer und riskanter Internetnutzung für Spiele und soziale Medien bei Kindern und Jugendlichen nach den neuen ICD-11-Kriterien der WHO.
Laut der DAK-Studie nehmen unter dem Corona-Lockdown die Nutzungszeiten deutlich zu. Im Vergleich zum September 2019 steigt im Mai 2020 die Spieldauer in der Woche um 75 Prozent an. Werktags klettern die durchschnittlichen Gamingzeiten von 79 auf 139 Minuten an. Am Wochenende gibt es einen Anstieg um fast 30 Prozent auf 193 Minuten am Tag. Ob die Mediensucht durch Schulschließungen und eingeschränkte Freizeitaktivitäten tatsächlich wächst, soll die Längsschnittstudie in einer abschließenden Befragung der teilnehmenden Familien im Frühjahr 2021 zeigen. 
In einem Pilotprojekt mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) gibt es bei 12- bis 17-Jährigen eine neue zusätzliche Vorsorgeuntersuchung. In den fünf Bundesländern Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen können ab 1. Oktober 2020 rund 70.000 Jungen und Mädchen die Früherkennung ergänzend zur J1 und J2 nutzen. Grundlage für das Mediensuchtscreening ist die so genannte GADIS-A-Skala (Gaming Disorder Scale for Adolescents), die von Suchtforschern des UKE Hamburg entwickelt wurde und jetzt erstmals in der Praxis eingesetzt wird. 
Als zusätzliches Hilfsangebot hat die DAK-Gesundheit gemeinsam mit der Computersuchthilfe Hamburg eine neue Online-Anlaufstelle Mediensucht entwickelt. Ab August 2020 erhalten Betroffene und deren Angehörige unter www.computersuchthilfe.info Informationen und Hilfestellungen rund um die Themen Online-, Gaming- und Social-Media-Sucht. 
Weitere Informationen unter: www.dak.de oder www.drogenbeauftragte.de

 

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Berlin, 29. Juli 2020

Nirgendwo zu Hause – Straßenjugendliche brauchen Perspektiven und Orientierung

Rund 37.000 junge Menschen leben in Deutschland auf der Straße. Sie erleben die prägenden Jugendjahre ohne festen Wohnsitz, ohne verlässliche Bezugspersonen und ohne in Schule oder Ausbildung eingebunden zu sein. Darauf weist SOS-Kinderdorf e.V. anlässlich des Internationalen Tags der Jugend am 12. August hin. »Jugendhilfe und Politik müssen die prekäre Situation von Straßenjugendlichen in Deutschland stärker in den Blick nehmen. Diese jungen Menschen brauchen die Perspektive auf ein abgesichertes und selbstbestimmtes Leben«, sagt Dr. Kristin Teuber, Leiterin des Sozialpädagogischen Instituts der Kinderhilfsorganisation.
Der Internationale Tag der Jugend wurde 1985 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und erinnert an die Bedeutung der Jugend als wichtige Lebensphase. Schätzungen des Deutschen Jugendinstituts zufolge erleben ca. 7.000 junge Menschen unter 18 Jahren diese so prägende Zeit ohne gesicherte Wohnsituation. »Die Jugend ist für das weitere Leben eine essentielle Phase. In diesen jungen Jahren komplett auf sich gestellt zu sein, ohne soziale Einbindung und Unterstützung von daheim oder durch die Jugendhilfe, kann eine Hypothek für das ganze Leben sein«, warnt Teuber davor, die jungen Menschen in diesen prekären Umständen allein zu lassen. 

Wohnungslosigkeit bei Jugendlichen stärker in den Blick nehmen!: »Es braucht eine intensive Begleitung für betroffene junge Menschen durch speziell ausgebildete Sozialarbeiter/-innen, um einfühlsam und gemeinsam mit ihnen Perspektiven abseits der Straße zu entwickeln«, appelliert Teuber an die Verantwortung der Jugendhilfe. Dem Thema Wohnungslosigkeit bei jungen Menschen werde fachlich und öffentlich noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Zuständigkeiten innerhalb des sozialen Sektors seien ungeklärt, niedrigschwellige Angebote wie Streetwork oder speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnittene Jugendtreffs seien oftmals unzureichend ausgebaut und unterfinanziert. 
Jugendliche in ausweglosen Situationen fliehen auf die Straße: Viele der betroffenen jungen Menschen haben Erfahrungen von Armut, häuslicher Gewalt, Verwahrlosung und Beziehungsabbrüchen gemacht. Manche haben verschiedene Stationen in der stationären Jugendhilfe, zum Beispiel in Pflegefamilien oder Heimen, hinter sich oder sind als so genannte Care Leaver mit der Volljährigkeit aus dem Jugendhilfesystem herausgefallen. All das bringt Jugendliche dazu, sich von dem, was man gemeinhin unter ›normalen Lebensumständen‹ versteht, abzuwenden. Das Leben auf der Straße – oder in vielen Fällen auch, das Leben ›mal hier, mal dort‹, bei Freunden, beim Couchsurfing, bei Bekanntschaften – ist ein Leben im Verborgenen und schließt die Betroffenen zunehmend aus der Gesellschaft aus. Der Weg zurück ist oft nicht gewollt oder sehr schwer. 

Der SOS-Kinderdorfverein kümmert sich seit vielen Jahren mit niedrigschwelligen Angeboten um diese vernachlässigte Gruppe Heranwachsender. Weitere Infos unter www.sos-kinderdorf.de/freiburger-strassenschule 

 

Quelle: Pressemitteilung des SOS-Kinderdorf e.V., München, 06. August 2020

Für eine verantwortungsvolle Internetnutzung

eco Beschwerdestelle veröffentlicht Surfguide für Kinder und Jugendliche

Wie können Eltern sichergehen, dass ihr Nachwuchs auch während der Sommerferien digitale Angebote sicher und optimal nutzt? »Neben technischem Support wie Jugendschutzsoftware hilft vor allem eine gute Prävention«, sagt Alexandra Koch-Skiba, Leiterin der Beschwerdestelle des Internetverbands eco. So sollte zuerst der eigene Umgang im Netz kritisch reflektiert werden. »Für ein sicheres Internet muss jeder Einzelne Verantwortung tragen«, so Koch-Skiba weiter. »Vor allem Kinder und Jugendliche sind sich häufig nicht darüber bewusst, welche Reichweite ihre privaten Inhalte auf Social-Media-Kanälen oder im Internet allgemein erzielen – hier sollten Eltern unbedingt frühzeitig das Gespräch suchen und als Vorbild handeln.« Gleichzeitig sollten illegale Inhalte im Netz nie toleriert, sondern immer gemeldet werden.
Für den Verband der Internetwirtschaft bedarf es für ein gutes Aufwachsen mit digitalen Medien einer grundlegenden und kontinuierlichen Wissens- und Kompetenzvermittlung, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Ergänzend können technische Lösungen Eltern und Erziehungsberechtigten helfen, Kinder und Jugendliche vor entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten im Internet zu schützen.
Das Team der eco Beschwerdestelle engagiert sich seit über 20 Jahren gegen rechtswidrige Internetinhalte und setzt sich auch aktiv dafür ein, dass Kinder und Jugendliche sicher und gut im Netz surfen. Die eco Beschwerdestelle gibt 5 Tipps für die optimale Nutzung digitaler Dienste für Kinder und Jugendliche im Netz:

Sicheren Internetzugang schaffen: Gerade kleinere Kinder sollten die ersten Schritte im Internet nicht allein machen. Eltern können ihren Kindern Webseiten empfehlen, die speziell für junge Nutzer geeignet sind. Die Kindersuchmaschine www.FragFinn.de etwa bietet nicht nur einen geschützten Surfraum, sie ist auch ein kindgerechtes Internetportal mit Nachrichten und Surf-Tipps.
Schutzsoftware einrichten: Auch Jugendschutzprogramme können Eltern dabei helfen, dass Kinder und Jugendliche nur Inhalte im Internet abrufen können, die für ihr Alter geeignet sind. Es gibt Jugendschutzprogramme für einzelne Dienste/Angebote wie beispielsweise: Netflix, Nintendo oder Prime Video. Darüber hinaus werden diensteübergreifende Jugendschutzprogramme beispielsweise unter www.jugendschutzprogramm.de zum Download angeboten.
Schutz persönlicher Daten: Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Kind eine E-Mail-Adresse oder ein Nutzerprofil in einem sozialen Netzwerk einrichten. Vor der Anmeldung sollten Eltern die Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärungen einsehen und sich vergewissern, ob das Angebot überhaupt für ihr Kind geeignet ist. Kinder müssen darüber aufgeklärt werden, dass sie beim Surfen Spuren im Internet hinterlassen. Die Benutzernamen von Kindern sollten keinen Bezug zu persönlichen Daten enthalten. Das richtige Passwort sollte mit Bedacht gewählt werden und aus einer Variation aus Klein- und Großbuchstaben, Zahlen sowie Sonderzeichen bestehen. Passwörter sind zudem geheim zu halten und nur für jeweils ein Benutzerkonto zu verwenden.
Medienkompetenz und Urheberrechte vermitteln: Grundsätzlich sollten Medien gemeinsam mit den Eltern von Kindern erlebt und entdeckt werden: Soziale Werte und rechtliche Rahmenbedingungen müssen im Internet genauso wie in der analogen Welt vermittelt werden. Insbesondere im Umgang mit sozialen Medien und mobilen Messengerdiensten sollte, neben einem respektvollen »Miteinander online«, auch die richtige Verwendung von eigenen und fremden Bildern gelehrt werden. Gerade Kindern und Jugendlichen ist häufig gar nicht bewusst, welche Bilder sie von sich selbst erstellen und dass in vielen Fällen das Verbreiten (»Teilen«) von eigenen oder fremden Bildern gegen straf- und/oder urheberrechtliche Gesetze verstoßen kann. Bei der Vermittlung dieser Medienkompetenz sollte auch der Lehrsatz »Das Internet vergisst nicht« keinesfalls vergessen werden. Unterstützung und Materialien finden Eltern zum Beispiel unter www.klicksafe.de.
Rechtsverstöße im Internet sofort melden: Ältere Kinder und Jugendliche sollten über Melde- und Hilfsangebote informiert sein, um richtig zu reagieren, sobald ihnen rechtswidrige Inhalte im Internet begegnen. So nimmt die eco Beschwerdestelle Hinweise zu allen Internetdiensten entgegen: Webseiten, E-Mails, Datenaustauschdiensten, Chats, Newsgroups und Foren. Inhalte melden kann jeder Internetnutzer. Die Juristen der eco-Beschwerdestelle prüfen dann, ob der gemeldete Inhalt tatsächlich rechtswidrig ist und ergreifen entsprechende Maßnahmen, damit der Inhalt aus dem Internet entfernt wird. Strafbare Inhalte werden zudem grundsätzlich bei den Strafverfolgungsbehörden angezeigt. Haben Kinder und Jugendliche zudem Redebedarf, ist das Kinder- und Jugendtelefon von Nummer gegen Kummer e.V. der richtige Anlaufpunkt.

 

Quelle: https://www.eco.de/news/fuer-eine-verantwortungsvolle-internetnutzung-eco-beschwerdestelle-veroeffentlicht-surfguide-fuer-kinder-und-jugendliche,/ Berlin, 30. Juli 2020

Cannabis kann Jugendliche schädigen

Auch ein geringer Cannabiskonsum im Jugendalter kann negative Auswirkungen auf die Hirnentwicklung haben. Angststörungen oder psychotische Erkrankungen können begünstigt werden, das Suchtrisiko ist laut wissenschaftlichen Studien größer als bei Erwachsenen, wie es in der Antwort (19/21331) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (19/21049) der FDP-Fraktion heißt.
Laut einer Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben knapp 90 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren noch nie Cannabis konsumiert. Diese Jugendlichen sollen durch eine gezielte Ansprache in ihrer Haltung bestärkt werden. Im Jugendalter finden den Angaben zufolge umfangreiche Umbauprozesse im Gehirn statt, die Wirkung von Cannabis könne daher gravierend sein.

 

Quelle: hib - heute im bundestag Nr. 831, Berlin, 11. August 2020

Fortbildungshinweis: stationär 4.0

Qualifizierung Medientrainer/-in in der (teil-)stationären Kinder- und Jugendhilfe

stationär4.0

Digitale Medien gehören längst zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen und bilden eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe an einer digitalisierten Gesellschaft. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie ist die Bedeutung digitaler Medien offensichtlich geworden. 
Die zahlreichen Chancen, die sich im erweiterten digitalen Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche ergeben, sind zugleich mit neuen Herausforderungen verbunden. Durch den hohen Verbreitungsgrad von Smartphones als mobile Alleskönner agieren junge Menschen zunehmend autonom in der Medienwelt – damit entzieht sich die Mediennutzung Heranwachsender immer mehr der Kontrolle durch die Erwachsenen. Umso wichtiger ist es daher, Kinder und Jugendliche beim Umgang mit digitalen Medien angemessen zu begleiten, um sie bei Herausforderungen wie bspw. Konflikten im Netz, Sexting und exzessiver Mediennutzung adäquat unterstützen zu können. 
Dies alles gilt auch für die Kinder und Jugendlichen in der (teil-)stationären Kinder- und Jugendhilfe. Vor dem Hintergrund des in den UN-Kinderrechtskonventionen verankerten Rechts auf digitale Teilhabe, sind auch (teil-)stationäre Einrichtungen gefordert, Kinder und Jugendliche in ihrer Medienkompetenz zu stärken. Einerseits ist der Umgang mit digitalen Medien in der Einrichtung ein Erziehungsthema. Auf der anderen Seite bieten sich Chancen zur aktiven Medienkompetenzförderung durch zielgruppenspezifische medienpädagogische Angebote. Durch das Zusammenspiel beider Handlungsfelder können Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen beim Aufwachsen in der Mediengesellschaft gut begleitet und unterstützt werden.
Mit der Qualifizierung von Medientrainer/-innen im Rahmen des Projekts »stationär 4.0 – Digitale Medien in der stationären Kinder- und Jugendhilfe« möchte die Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern (aj) ein Multiplikator/innen-Netzwerk schaffen, das (teil-)stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien im erzieherischen Alltag ermöglicht.
Weitere Informationen unter https://bayern.jugendschutz.de/de/Veranstaltungen/Termine/

 

Quelle: Pressemeldung der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V., München, 22. Juli 2020

Publikationshinweis: Zwischen Utopie und Dystopie

Medienpädagogische Perspektiven für die digitale Gesellschaft

Utopie

Welche Perspektiven bietet Medienpädagogik für die digitale Gesellschaft? Wie geht sie mit dystopischen, negativen Visionen und Realitäten um? Wie kann Medienbildung die positiven Aspekte, die mit dem Internet und der Digitalisierung verbunden sind, in ihre Arbeit integrieren und ihre Zielgruppen darin stärken, die Vielfalt kompetent zu nutzen? Wie kann sie für die negativen Aspekte sensibilisieren und Gegenstrategien oder auch Taktiken vermitteln? Der 56. Band der GMK-Reihe »Schriften zur Medienpädagogik«, der im Herbst erscheint, liefert aus unterschiedlichen Blickwinkeln neue Aspekte der Medienpädagogik für die digitale Gesellschaft.
Der erste Artikel »Bildung zwischen Utopie und Dystopie« von Franz Josef Röll ist bereits vorab online unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 4.0 verfügbar. Ausgehend von Humboldts Verständnis von Bildung stellt der Autor mögliche unterschiedliche zukünftige Bildungs-Konzepte vor. Er greift dabei Konzepte der KI-Forschung auf (Master Algorithmus, Objektorientierte Ontologie, Recruiting), bei denen es um eine bessere/ultimative Verknüpfung von Computer-Algorithmen und menschlichem Lernen geht. In seinen Ausführungen über zukünftige Kompetenzen und transversales Lernen formuliert Röll eine pädagogische Perspektive und zeigt nach einem Blick auf die Zukunft der Institution Schule neue Lernphilosophien auf.
Alle weiteren Beiträge des Bandes werden sukzessive und kostenlos unter der freien Lizenz auf www.gmk-net.de/publikationen/artikel/ zur Verfügung gestellt (Details zur Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode).

Angelika Beranek/Sebastian Ring/Martina Schuegraf (Hrsg.): Zwischen Utopie und Dystopie – Medienpädagogische Perspektiven für die digitale Gesellschaft. Schriften zur Medienpädagogik 56. München: kopaed (Herbst 2020). Weitere Informationen unter www.gmk-net.de 

 

Quelle: Pressemeldung der GMK – Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur Fachverband für Medienpädagogik und Medienbildung, Bielefeld, 21. Juli 2020

Publikationshinweis: Kinder suchtkranker und psychisch kranker Eltern

Blickpunkt Kinder- und Jugendschutz

Blickpunkt

Die psychische Erkrankung bzw. eine Suchterkrankung eines Familienmitglieds betrifft immer die ganze Familie. Sind Eltern psychisch erkrankt oder suchtkrank, stellt dies insbesondere für die Kinder eine starke Belastung und ein Risiko für eine gesunde Entwicklung dar. Alltagspraktische Hilfen, medizinische und psychotherapeutische Angebote sowie Präventionsangebote müssen daher stets die gesamte Familie im Blick haben.
Um diese Familien als Fachkraft effektiv unterstützen zu können, ist neben fachlichen Kenntnissen über Krankheitsbilder und familiäre Dynamiken auch das Wissen um praxisnahe Unterstützungs- und Kooperationsmöglichkeiten wichtig. Die interdisziplinäre Vernetzung und Kooperation zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Gesundheitswesen/Suchthilfe ist dabei eine notwendige Voraussetzung für gelingende Hilfen.
In der aktuellen Ausgabe der Reihe Blickpunkt Kinder- und Jugendschutz setzen sich Expertinnen und Experten interdisziplinär mit den Aspekten auseinander. Die Publikation richtet sich an interessierte Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, der Suchthilfe und des gesamten Gesundheitswesens.

Kinder suchtkranker und psychisch kranker Eltern, Hrsg. Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V., Berlin 2019. 256 Seiten. ISBN 978-3-00-064712-3. Bezug zum Preis von 10,-€ unter www.bag-jugendschutz.de; Ansprechpartnerin: Claudia Kriegs, info@bag-jugendschutz.de 

 

Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V., Berlin, 12. August 2020

Kein Raum für Mißbrauch

Kein Raum für Missbrauch
Die BAJ unterstützt die Kampagne »Kein Raum für Missbrauch« des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und deren Zielsetzung für ein gesamtgesellschaftliches Bündnis gegen sexualisierte Gewalt.

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