Newsletter

Jugendschutz Newsletter Nr. 1 vom 06.01.2021

Die BAJ wünscht allen Leserinnen und Lesern ein gesundes, neues Jahr!

Im aktuellen Newsletter finden Sie wie gewohnt Nachrichten und Rechercheergebnisse der letzten Wochen zu den unterschiedlichsten Handlungsfeldern des Kinder- und Jugendschutzes. Die Nachrichten geben nicht unbedingt die Meinung der BAJ wieder. Sie sind Ergebnisse redaktioneller Auswahl, Bearbeitung und Recherche, sie wollen einen Überblick über wichtige Ereignisse und Entwicklungen mit Bedeutung für den Kinder- und Jugendschutz geben.

 

NEUERSCHEINUNG: Durchblick – Illegale Drogen

Durchblick

Neben den legalen Substanzen Alkohol und Tabak, die in der Bevölkerung weit verbreitet und größtenteils gesellschaftlich akzeptiert (wenngleich gesundheitsschädigend) sind, gibt es nach wie vor eine Vielzahl illegaler Substanzen, deren Konsum und Beschaffung mit einer Reihe negativer gesundheitlicher, sozialer und gesetzlicher Folgen verbunden ist. Auch unter Jugendlichen ist der Konsum illegaler Substanzen verbreitet. Substanzkonsum und sich daraus entwickelnde substanzbezogene Störungen haben im Kindes- und Jugendalter vielfältige Ursachen. Der Lebensabschnitt der Adoleszenz ist wie kein anderer mit Experimentierfreude und Risikobereitschaft verbunden. 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz hat in der neuen Broschüre »Durchblick – Informationen zum Jugendschutz: Illegale Drogen« den Konsum illegaler Drogen im Jugendalter in den Blick genommen. Neben Zahlen und Fakten sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen werden die Folgen des Konsums illegaler Drogen dargestellt. Präventionskonzepte und die Wirksamkeit von Suchtprävention nehmen einen großen Raum in der Broschüre ein. Ein Fazit ist, im Bereich illegaler Substanzen verstärkt in präventive Aktivitäten zu investieren, um Jugendliche aufzuklären und einem »Ausprobieren« illegaler Substanzen vorzubeugen und damit der Entstehung einer Substanzproblematik entgegenzuwirken.
Die Broschüre ergänzt den Ordner »Durchblick. Informationen zum Jugendschutz«, der Informationen zu den Themenfeldern Jugendschutz, Jugendschutzrecht, Veranstaltungen, Alkohol, Medien, Nikotin, sexualisierte Gewalt, Jugendgewalt sowie eine Übersicht der wichtigsten Adressen/Ansprechpartner enthält. Zielgruppe der Handreichung sind Praktikerinnen und Praktiker der Kinder- und Jugendhilfe und Jugendarbeit sowie Schule und Schulsozialarbeit, die damit einen umfassenden Überblick über die aktuellen und grundsätzlichen Themen des Kinder- und Jugendschutzes erhalten. 

»Durchblick. Informationen zum Jugendschutz« ist kostenlos erhältlich (zzgl. Versandpauschale). Die Broschüre »Illegale Drogen« ist einzeln als Ergänzung oder im Gesamtordner zu beziehen bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) e.V. Berlin
www.bag-jugendschutz.dematerial@bag-jugendschutz.de

 

Quelle: Pressemeldung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. (BAJ), Berlin, 16. Dezember 2020

Tabakwerbeverbot im Kino ab 01.01.2021

JugSchG § 11

Die vom Bundesrat am 18. September 2020 beschlossenen weiteren Einschränkungen für Tabakwerbung sind zum 01. Januar teilweise in Kraft getreten. Kinowerbung für Tabakprodukte darf sich nunmehr ausschließlich an Erwachsene richten. Vor Kinofilmen, bei denen Kinder und Jugendliche anwesend seien können, ist Tabakwerbung damit künftig generell verboten. Die bisherige zeitliche Beschränkung auf Filme nach 18 Uhr wird abgeschafft. Damit ist Kinowerbung für Tabakwaren oder ähnliche Produkte nur noch bei Filmen ohne Jugendfreigabe möglich.
Im § 11 des Jugendschutzgesetzes - JuSchG ist die Werbung für Tabakerzeugnisse, elektronische Zigaretten und Zubehör aus Abs. 5 herausgelöst und in einem neuen Absatz 6 geregelt worden, was eine Anpassung der Sanktionsvorschrift des § 28 JuSchG (14a) nach sich gezogen hat.

 

Quelle: www.bag-jugendschutz.de (aufgerufen am 06. Januar 2021)

Safer Internet Day 2021: Wem glaube ich?

Aktionstag zur Meinungsbildung zwischen Fakt und Fake

Safer Internetday

Wie gelingt Meinungsbildung im digitalen Raum? Wie gehen wir mit gegensätzlichen Ansichten um? Woran erkennen wir Falschinformationen im Internet? Und welche Kompetenzen benötigen insbesondere Kinder und Jugendliche dafür? Zum bundesweiten Aktionstag am 9. Februar 2021 thematisiert klicksafe die »Meinungsbildung zwischen Fakt und Fake«.
Ob Fake News und Verschwörungserzählungen, mit Desinformation unterwanderte Wahlen oder haltlose Gerüchte: Wer sich im Internet informiert, ist einer Vielzahl von Nachrichten ausgesetzt, von denen manche gar keine sind. Die Entscheidung, wem man letztlich glaubt, kann ebenso schwierig wie folgenschwer sein. Vor allem Kinder und Jugendliche benötigen Kompetenzen, um sich zwischen etablierten Medien und Social-Media-Kanälen ihre Meinung zu bilden.
Indem sie »Meinungsbildung zwischen Fakt und Fake« zum Thema des Safer Internet Day 2021 macht, schafft die EU-Initiative klicksafe Raum zur Auseinandersetzung auf zahlreichen Ebenen.
In Sozialen Netzwerken werden unter den Hashtags #WerMachtMeineMeinung und #SID2021 Inhalte und Diskussionen zu finden sein. Alle Interessierten sind aufgerufen, sich selbst am Aktionstag zu beteiligen. Geplante Aktionen können auf klicksafe.de/sid eingetragen werden.

Machen Sie mit!
klicksafe ruft deutschlandweit Institutionen, Stiftungen, Unternehmen, Schulen, Jugendorganisationen, Bildungseinrichtungen, Vereine und auch Privatpersonen dazu auf, sich am 9. Februar 2021 mit eigenen Beiträgen und Projekten am Safer Internet Day zu beteiligen. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig – aufgrund der andauernden Corona-Pandemie ist mit einem breiteren Angebot an digitalen Formaten, virtuellen Workshops und Online-Informationen rund um die Themen Internetsicherheit und Medienkompetenz zu rechnen. Eine zentrale Veranstaltung ohne Publikum ist in Planung und soll am Aktionstag im Internet übertragen werden.

Alle Informationen auf der klicksafe-Website zum SID
Auf www.klicksafe.de/sid informiert klicksafe ausführlich über den Aktionstag, inklusive eines Überblicks, welche Aktionen und Formate deutschlandweit stattfinden sowie der Möglichkeit, eigene (Online-) Veranstaltungen anzumelden. Auf der Website können auch der SID-Infoservice abonniert und das Begleitmaterial heruntergeladen werden.

Über den Safer Internet Day
Der Safer Internet Day (SID) ist ein weltweiter Aktionstag für mehr Online-Sicherheit und für ein besseres Internet für Kinder und Jugendliche. Er findet seit 2004 immer am Dienstag der zweiten Februarwoche statt und setzt jedes Jahr einen neuen thematischen Schwerpunkt im Rahmen des internationalen Mottos »Together for a better internet«. In Deutschland wird der Safer Internet Day von der EU-Initiative klicksafe koordiniert.

 

Quelle: Pressemeldung klicksafe, Ludwigshafen/Düsseldorf, 03. Dezember 2020

Kindeswohlgefährdung: In jedem 5. Fall wurden mehrere Arten von Gewalt oder Vernachlässigung festgestellt

Grafik

Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2019 mit rund 55.500 Kindeswohlgefährdungen das zweite Mal in Folge 10% mehr Fälle festgestellt als im jeweiligen Vorjahr. Eine neue Auswertung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt nun, dass in jedem fünften Fall von Kindeswohlgefährdung (20%) mehrere Gefährdungsarten gleichzeitig vorlagen. Im Jahr 2019 betraf das rund 11.200 Kinder und Jugendliche. Zu den vier Gefährdungsarten zählten dabei – neben psychischen und körperlichen Misshandlungen – noch Vernachlässigungen und sexuelle Gewalt.

In 17% aller Fälle von Kindeswohlgefährdung hatten die Behörden zwei verschiedene Gefährdungsarten festgestellt, in 3% waren es drei und in 0,2% der Fälle lagen sogar alle vier Gefährdungsarten vor. Am häufigsten hatten die mehrfach betroffenen Jungen oder Mädchen sowohl Vernachlässigungen als auch psychische Misshandlungen erlebt (6% aller Fälle von Kindeswohlgefährdung). Die zweithäufigste Kombination bildeten 2019 psychische und körperliche Misshandlungen (ebenfalls 6%). An dritter Stelle stand die Kombination aus Vernachlässigung und körperlicher Misshandlung (4%).

Gut vier Fünftel (81%) der Mehrfachbetroffenen waren Kinder unter 14 Jahren, knapp ein Fünftel Jugendliche von 14 bis 18 Jahren. Dabei waren die mehrfach betroffenen Mädchen und Jungen tendenziell etwas älter als der Durchschnitt aller Betroffenen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der mehrfach betroffenen Kinder und Jugendlichen überdurchschnittlich gestiegen – und zwar um 15% (Durchschnitt: +10%).
Mit der Zahl der Gefährdungsarten steigt auch der Anteil der Minderjährigen, die nach der Feststellung der Kindeswohlgefährdung zu ihrem Schutz in Obhut genommen wurden: Während dies in den Fällen mit einer Gefährdungsart auf 14% der Kinder und Jugendlichen zutraf, waren es bei zwei Arten 22%, bei drei Arten 27% und bei allen vier Arten 40%. 

Hinweis: Eine (akute oder latente) Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines Kindes unmittelbar droht oder bereits eingetreten ist. In Verdachtsfällen sind die Jugendämter verpflichtet, im Rahmen einer Gefährdungseinschätzung (nach § 8a SGB VIII) das Gefährdungsrisiko und den Hilfebedarf abzuschätzen und der Gefährdung entgegenzuwirken. 

 

Quelle: Pressemitteilung DESTATIS | Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 6. Januar 2021

Exzessive Mediennutzung im Jugendalter nimmt zu

Neue BZgA-Studiendaten zur Computerspiel- und Internetnutzung

Studie

Die problematische Computerspiel- und Internetnutzung ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit 2015 gestiegen. Dies zeigen die Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie 2019 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). 
Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung: »Medien- und Internetabhängigkeit ist quasi die Droge der Zukunft. Immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nutzen die digitalen Medien mehr als ihnen guttut. Auch wenn die Digitalisierung insgesamt ein wertvolles Gut ist – während Corona mehr denn je – müssen junge Menschen wissen, wann sie auch mal ‚offline‘ sein sollten. Dabei hilft meine Kampagne ‚Familie.Freunde.Follower.‘ mit wertvollen und einfachen Tipps für die ganze Familie.«
Prof. Dr. med. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA: »Nicht jeder Hinweis auf eine exzessive Mediennutzung sollte pathologisiert werden. Gleichwohl dürfen die Suchtrisiken von digitalen Spielen sowie eine mögliche Verknüpfung mit Glücksspielen nicht verharmlost werden. Die Studiendaten bestätigen, wie wichtig es ist, Jugendlichen die Risiken der exzessiven Nutzung von Internet, Smartphones und Computerspielen aufzuzeigen. Darüber hinaus gilt es, Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen für ihre Vorbildrolle für Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren.«

Die Studiendaten bestätigen, dass für Jugendliche und junge Erwachsene bei der Internetnutzung nach wie vor Kommunikation und Unterhaltung im Vordergrund stehen. 12- bis 17-Jährige nutzen Computerspiele und das Internet durchschnittlich 22,8 Stunden pro Woche und 18- bis 25-Jährige durchschnittlich 23,6 Stunden pro Woche privat – also nicht für Schule, Studium oder Arbeit. 
Im Zeitraum von 2015 bis 2019 ist der Anteil der 12- bis 17-Jährigen und 18- bis 25-Jährigen mit einer problematischen Internetnutzung nochmals gestiegen. Er hat sich bei den Jugendlichen von 21,7 Prozent im Jahr 2015 auf 30,4 Prozent im Jahr 2019 und bei den jungen Erwachsenen von 15,2 Prozent in 2015 auf 23,0 Prozent in 2019 erhöht.
Internetbezogene Störungen treten im Jahr 2019 bei 7,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen auf. Im Jahr 2015 lag dieser Wert bei 5,7 Prozent. Sie treten aktuell bei 4,1 Prozent der 18- bis 25-Jährigen auf und lagen im Jahr 2015 bei dieser Altersgruppe bei 2,6 Prozent. Unter den 12- bis 17-jährigen weiblichen Jugendlichen und den 18- bis 25-jährigen jungen Frauen ist die internetbezogene Störung beziehungsweise die problematische Nutzung im Jahr 2019 etwas weiter verbreitet als unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern entsprechenden Alters.
Die Repräsentativbefragung wurde zwischen April und Juni 2019 unter 7.000 jungen Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren erhoben. Die Situation während der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 war nicht Teil des Erhebungszeitraums dieser Studie und ist darin nicht abgebildet.

Die BZgA-Studie »Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019 – Teilband Computerspiele und Internet« steht zum Download unter: www.bzga.de/forschung/studien/abgeschlossene-studien/studien-ab-1997/suchtpraevention/

 

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Berlin/Köln, 15. Dezember 2020

Mehr Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien fühlen sich einsam

Kinder aus Familien in schwieriger finanzieller Lage traf die Pandemie im Frühjahr 2020 besonders stark: Unter ihnen fühlten sich mehr Kinder einsam als in Familien, die angaben, von ihrem Einkommen gut leben zu können (48 vs. 22 Prozent). Außerdem hatte ein größerer Anteil der Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien in auffälligem Maße mit emotionalen Problemen wie Niedergeschlagenheit, Ängsten und Sorgen (44 Prozent vs. 18 Prozent) sowie Hyperaktivität (39 Prozent vs. 22 Prozent) zu kämpfen – und zwar umso mehr, je angespannter die Eltern ihre wirtschaftliche Situation empfanden. Das zeigen die Ergebnisse der Studie »Kind sein in Zeiten von Corona« des Deutschen Jugendinstituts (DJI), an der sich zwischen Ende April und Ende Mai 2020 deutschlandweit mehr als 12.000 Eltern von Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren beteiligt haben. Im Anschluss an die Online-Befragung interviewten die Forschenden in 21 Familien ein Kind im Alter von sechs bis 14 Jahren und jeweils ein Elternteil ausführlich.

Gegen Einsamkeit hilft der Kontakt zu Bezugspersonen in Kita und Schule: Die Studienergebnisse machen deutlich, was zu einer guten Krisen-Bewältigung beitragen kann: Der Anteil der Kinder, die mit der Situation gut zurechtkamen, war unter denjenigen höher, die Geschwister zum Spielen und zum Aufmuntern haben (70 vs. 66 Prozent) und bei denjenigen, die in regelmäßigem Kontakt mit ihren Großeltern standen (71 vs. 56 Prozent). Unter den Kindern in der Sekundarstufe hatten diejenigen Vorteile, die mit Freunden (70 vs. 66 Prozent) und Lehrkräften (73 vs. 64 Prozent) im Austausch blieben. Alle Kinder und Jugendlichen fühlten sich durch häufige Kontakte zu pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften zudem weniger einsam (21 vs. 35 Prozent). Das zeigen die Einschätzungen der Eltern ebenso wie die der Kinder und Jugendlichen selbst. 
Auf dieser Basis empfehlen die Studienautorinnen und -autoren in ihrem Ergebnisbericht: Kitas und Schulen sollten bei Schließungen verstärkt versuchen, auf kreative und kindgerechte Weise im direkten Kontakt mit den Kindern zu bleiben. Dafür sei die digitale Ausstattung ebenso wichtig, wie Fortbildungsmaßnahmen für Fach- und Lehrkräfte sowie Leitungen. Der Austausch mit Bezugspersonen aus Kita und Schule ist den Analysen nach nicht nur für die Kinder und Jugendlichen hilfreich: Auch Eltern profitierten davon und fühlten sich mit der Doppelbelastung durch Homeschooling und Erwerbsarbeit weniger überfordert. In Zeiten, in denen das Infektionsgeschehen keinen Präsenzunterricht zulässt, muss der Wechsel- oder Distanzunterricht so konzipiert werden, dass Kinder im Austausch mit den Lehrkräften und weitgehend selbstständig lernen können.

Am wichtigsten für die Bewältigung der Krise ist die Familie
Kinder und Jugendliche machten den Studienergebnissen nach insbesondere die Trennung von Freunden, das Fehlen des gewohnten (Schul-)Alltags und der Mangel an Freizeitaktivitäten zu schaffen. Aus den Interviews geht zudem hervor, dass sie durch Corona verstärkt mit Ängsten konfrontiert sind. Mehr gemeinsame Zeit mit der Familie und einen weniger eng getakteten Alltag erlebten viele hingegen positiv. Gemeinsame Aktivitäten und Mahlzeiten sowie mehr Zeit mit den Vätern hoben viele Kinder in diesem Zusammenhang hervor. Insgesamt kamen die meisten gut mit dem Lockdown zurecht, immerhin ein Drittel hatte aber Schwierigkeiten. Standen zu Hause Konflikte und Chaos an der Tagessordnung, waren es noch weitaus mehr: Unter den Familien, bei denen häufig oder sogar sehr häufig ein konflikthaltiges Klima herrschte, gaben mehr als die Hälfte der befragten Eltern (53 Prozent) an, dass ihr Kind nicht gut mit den Pandemie-bedingten Veränderungen zurechtgekommen sei. Mehr Konflikte gehen auch mit verstärkten Gefühlen der Einsamkeit und Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern sowie einer stärker empfundenen Belastung der Eltern einher.

Hilfestellung für Familien gefordert
Wichtig sei, Familien in dieser Zeit vermehrt Beratung anzubieten. Denn das Wohlbefinden der Kinder hänge während der Krise noch mehr als sonst von der Familie ab – einerseits durch die finanzielle Situation, andererseits durch das Familienklima. Die wichtige Rolle der Familie komme ganz besonders zum Tragen, wenn Kinder – durch eine eigene Infektion oder durch Infektionsfälle in der Kita-Gruppe oder Klasse – in Quarantäne müssen, schreiben die Studienautorinnen und -autoren in ihrem Fazit. Zur besseren Unterstützung fordern sie standardisierte, altersdifferenzierte Informationen der Gesundheitsämter für Eltern, die beschreiben, wie sie die Zeit der Quarantäne ihrer Kinder gestalten können, und ihnen aufzeigen, wo sie sich Hilfe holen können. 

Weitere Studienergebnisse mit Grafiken und Ergebnisbericht zum Download: www.dji.de/themen/kindsein-corona 

 

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Jugendinstituts (DJI), München, 21. Dezember 2020

KJM bewertet sieben weitere Altersverifikationssysteme positiv

Steigende Zahl der Anträge als positives Zeichen für den Kinder- und Jugendmedienschutz in Deutschland

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sieben weitere Systeme zur Altersverifikation (AVS) positiv bewertet. KJM-Vorsitzender Dr. Marc Jan Eumann: »Mit diesem Jahresendspurt steigt die Zahl der im Jahr 2020 von der KJM positiv bewerteten Altersverifikationssysteme auf insgesamt 18. Dieser Rekord ist ein Zeichen dafür, dass der Bedarf an jugendschutzkonformen Lösungen für den deutschen Markt ebenso wie die Wahrnehmung der KJM als erste Ansprechpartnerin bei diesem Thema steigt. Ich freue mich, dass das Angebot der KJM, Anbietern durch Überprüfung ihrer Konzepte Rechtssicherheit zu bieten, so gut angenommen wird.«
Die KJM kam nach Prüfung der Konzepte zu dem Ergebnis, dass sie in der vorgelegten Version und bei entsprechender Umsetzung als vollständige AVS-Konzepte bzw. als Teillösung im Sinne der KJM-Kriterien zur Sicherstellung einer geschlossenen Benutzergruppe für Erwachsene gemäß Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) geeignet sind.
Damit gibt es nun 65 von der KJM positiv bewertete Konzepte bzw. Module für AV-Systeme. Dazu kommen derzeit sechs übergreifende Jugendschutzkonzepte mit AV-Systemen als Teilelementen.

 

Quelle: Pressemeldung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Berlin, 21. Dezember 2020

Publikation: Selbstgefährdende Inhalte im Netz: Hohes Risiko für Kinder und Jugendliche

Studie 2020

Anleitungen zum Suizid, Propagierung von selbstverletzendem Verhalten, gefährliche Challenges, Verherrlichung von Alkohol- oder Drogenkonsum: Vor allem in den populären video- und bildbasierten Social-Media-Diensten wie TikTok, YouTube oder Instagram werden bereits minderjährige Nutzerinnen und Nutzer mit Inhalten konfrontiert, die riskante Handlungen positiv darstellen oder zur Nachahmung auffordern. Der Bericht »Selbstgefährdung im Netz 2020« von jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, verdeutlicht das Ausmaß des Phänomens und bietet einen Überblick über die enorme Bandbreite der Risiken.
»Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf unbeschwerte Teilhabe am digitalen Leben. Das gilt besonders auch für die sozialen Medien. Die Recherchen von jugendschutz.net zeigen jedoch, dass die Vorsorgemaßnahmen der meisten Anbieter unzureichend sind. Auf Usermeldungen von gefährlichen Inhalten reagieren sie oft zu spät und nicht rigoros genug,« sagt Bundesjugendministerin Franziska Giffey. »Deshalb ist die Reform des gesetzlichen Kinder- und Jugendmedienschutzes im Jugendschutzgesetz so dringend notwendig. Die Anbieter von Social-Media-Diensten tragen eine besondere Verantwortung für den Schutz der jungen Nutzerinnen und Nutzer. Sie müssen verpflichtet werden, in ihren Diensten geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um beispielsweise sichere, altersgerechte Voreinstellungen zu garantieren. Und auch Hilfsangebote und Beschwerdestellen müssen schnell und einfach auffindbar sein.«
»Beiträge, die Essstörungen, Suizid oder Selbstverletzungen propagieren, werden mit trendigen oder szenetypischen Hashtags versehen. Dadurch verbreiten sie sich rasant und erzielen eine große Reichweite. Auch die Suche mit neutralen Begriffen kann bei Instagram oder Twitter zu selbstgefährdenden Inhalten führen,« erläutert Stefan Glaser, Leiter von jugendschutz.net. Häufig würden zudem Inhalte und Hashtags aus mehreren Selbstgefährdungsbereichen kombiniert, um eine Vielzahl an jungen Userinnen und Usern anzusprechen. »Kinder und Jugendliche müssen sich auch in Social Media darauf verlassen können, dass sie dort unbeschadet unterwegs sein können. Betreiber sollten diesen Bedarf bereits bei der Entwicklung ihrer Angebote mitdenken und entsprechende Schutzmechanismen vorsehen,« so Glaser weiter. 
jugendschutz.net sichtete 2019 insgesamt 4.643 Angebote mit Inhalten zu selbstgefährdendem Verhalten, darunter Websites, Foren und Onlineshops sowie Einzelinhalte bzw. Profile oder Gruppen in Social-Media-Diensten. In 941 Fällen lag aus Sicht von jugendschutz.net ein Verstoß gegen jugendschutzrechtliche Bestimmungen vor und es wurden entsprechende Maßnahmen eingeleitet. 93% der Verstöße fanden sich dabei in Social Media, und zwar zum allergrößten Teil (88%) in den populären Diensten wie Facebook, Instagram, Pinterest, TikTok, Tumblr, Twitter und YouTube. Bei einem Drittel aller Verstöße (33%) handelte es sich um selbstverletzendes Verhalten. 21% enthielten Pro-Ana/Mia-Inhalte, 20% waren Suizidinhalte. 16% waren der Kategorie Risikoverhalten (Mutproben, Challenges) zuzuordnen, 10% entfielen auf Inhalte rund um die Themen Drogen, Tabak und Alkohol. Der Bericht »Selbstgefährdung im Netz 2020« steht unter https://www.jugendschutz.net/pdf/Bericht_2020_Selbstgefährdung.pdf zum Download bereit. 

 

Quelle: Pressemeldung jugendschutz.net, Mainz/Berlin, 18. Dezember 2020

Publikation: Safe Sport – Ein Handlungsleitfaden zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Grenzverletzungen, sexualisierter Belästigung und Gewalt im Sport

Gewalt im Sport

2011 wurde erstmalig eine umfangreiche Broschüre unter dem Titel »Gegen sexualisierte Gewalt im Sport – Kommentierter Handlungsleitfaden für Sportvereine zum Schutz von Kindern und Jugendlichen« in der Deutschen Sportjugend veröffentlicht. Dieser musste vielfach nachgedruckt werden und ist in insgesamt sieben Auflagen in einer Gesamtauflage von rund 70.000 Exemplaren erschienen. Es unterstreicht die gewachsene Bedeutung des Themas Prävention sexualisierter Gewalt im Sport. Diese Broschüre wurde nun umfangreich von den Autorinnen Fabienne Bartsch und Prof. Dr. Bettina Rulofs überarbeitet und ist unter einem neuen Titel »Safe Sport – Ein Handlungsleitfaden zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Grenzverletzungen, sexualisierter Belästigung und Gewalt im Sport« und mit grundlegenden Änderungen neu erschienen. Mit diesem Handlungsleitfaden nimmt die Deutsche Sportjugend (dsj) ihre Verantwortung, den Schutz von Kindern und die Prävention von sexualisierter Gewalt wahr, um den Verantwortlichen in Sportvereinen mehr Handlungssicherheit zu geben.
Wichtige Forschungsprojekte wie die Projekte »Safe Sport« und VOICE und die daraus gewonnen neuen Erkenntnisse sowie sich verändernde gesellschaftliche Rahmenbedingungen machten eine Überarbeitung des Handlungsleitfadens notwendig.

Deutsche Sportjugend (dsj) im DOSB e.V. (Hrsg.): Autorinnen Fabienne Bartsch (Deutsche Sporthochschule Köln) und Prof. Dr. Bettina Rulofs (Bergische Universität Wuppertal), Frankfurt a.M. 2020, 80 Seiten. ISBN 978-3-89152-478-7. Online unter www.dsj.de/kinderschutz

 

Quelle: Deutsche Sportjugend im DOSB e.V., Frankfurt a.M., 10. Dezember 2020

Publikation: Erwachsenwerden in Familien Suchtkranker

Arbeitshilfe

Erwachsen werden

Wer bin ich? Was will ich mit meinem Leben? Erste Antworten auf solche Fragen zu finden, gilt als wichtige Entwicklungsaufgabe der späten Jugend und des jungen Erwachsenenalters. Für das Gelingen der Identitätsfindung spielt unter anderem die Herkunftsfamilie eine zentrale Rolle. Unter dem Titel »Erwachsenwerden in Familien Suchtkranker« nimmt eine von der DHS entwickelte Arbeitshilfe die Situation von Jugendlichen ab 16 Jahren und jungen Erwachsenen in den Blick, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen. Die DHS Broschüre richtet sich an Fachkräfte und Ehrenamtliche im Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen sowie der Arbeitswelt. Die Arbeitshilfe wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit gefördert und ist über das DHS Bestellcenter kostenlos erhältlich.

 

Quelle: DHS-Newsletter, Hamm, 17. Dezember 2020

Kein Raum für Mißbrauch

Kein Raum für Missbrauch
Die BAJ unterstützt die Kampagne »Kein Raum für Missbrauch« des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und deren Zielsetzung für ein gesamtgesellschaftliches Bündnis gegen sexualisierte Gewalt.

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