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Jugendschutz Newsletter Nr. 6 vom 31.03.2021

im aktuellen Newsletter finden Sie wie gewohnt Nachrichten und Rechercheergebnisse der letzten Wochen zu den unterschiedlichsten Handlungsfeldern des Kinder- und Jugendschutzes. Die Nachrichten geben nicht unbedingt die Meinung der BAJ wieder. Sie sind Ergebnisse redaktioneller Auswahl, Bearbeitung und Recherche und geben einen Überblick über wichtige Ereignisse und Entwicklungen mit Bedeutung für den Kinder- und Jugendschutz.

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Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) fordert »Kinderrechte ins Grundgesetz – aber richtig!«

Ein breites Bündnis von mehr als 100 Organisationen fordert in einem gemeinsamen Appell die Bundestagsfraktionen und die Bundesländer auf, sich bis zur Sommerpause auf ein Gesetz zur Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz zu einigen, das den Ansprüchen der UN-Kinderrechtskonvention gerecht wird. Der Aufruf »Kinderrechte ins Grundgesetz – aber richtig!«, der anlässlich der für den 26.03. angesetzten 1. Lesung im Bundesrat veröffentlicht wurde, kritisiert den von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf als unzureichend, da er keine Stärkung der Kinderrechte bedeute. Den von der BAJ unterzeichneten Appell haben u.a. das Deutsche Kinderhilfswerk, UNICEF Deutschland, der Kinderschutzbund und die Deutsche Liga für das Kind initiiert.
Wörtlich heißt es im Appell: »Eine Grundgesetzänderung muss zu einer Verbesserung der Rechtsposition von Kindern in Deutschland beitragen. Sie darf in keinem Fall hinter die UN-Kinderrechtskonvention, Art. 24 der europäischen Grundrechtecharta und die geltende Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes zurückfallen, die spezifische Kinderrechte gegenüber dem Staat anerkennt. Dabei kommt es auf die Aufnahme von ausdrücklichen Kinderrechten in das Grundgesetz in einem eigenen Absatz an, da diese dem Kind unabhängig bei allem staatlichen Handeln zustehen. Eine unmittelbare Verknüpfung mit den Elternrechten würde zu einem vermeidbaren Konflikt zwischen Eltern- und Kinderrechten führen. (…) Wir fordern nun eine zügige Einigung unter Einbezug der Zivilgesellschaft einschließlich von Kindern und Jugendlichen, die diesen Eckpunkten Rechnung trägt. Denn Kinderrechte gehören ins Grundgesetz – aber richtig!«
»Junge Menschen haben ein Recht auf Schutz, Befähigung und Teilhabe gemäß der UN-Kinderrechtskonvention. Nicht zuletzt der Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der aktuellen Pandemie hat verdeutlicht, dass diese Rechte ins Grundgesetz gehören«, betonte Klaus Hinze, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. (BAJ) zur Veröffentlichung des Appells. »Im Kinder- und Jugendschutz stehen Kinderrechte immer an erster Stelle: Sei es mit Blick auf die Mediennutzung, Suchtgefährdungen oder sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.« 

Die Organisationen fordern, dass folgende Elemente in der Formulierung zur Aufnahme der Kinderrechte im Grundgesetz enthalten sein sollten:
• Das Recht des Kindes auf Anerkennung als eigenständige Persönlichkeit;
• Die Berücksichtigung des Kindeswohls als ein vorrangiger Gesichtspunkt bei allen Entscheidungen, die Kinder betreffen;
• Das Recht des Kindes auf Beteiligung, insbesondere die Berücksichtigung seiner Meinung entsprechend Alter und Reifegrad;
• Das Recht des Kindes auf Entwicklung und Entfaltung;
• Das Recht des Kindes auf Schutz, Förderung und einen angemessenen Lebensstandard;
• Die Verpflichtung des Staates, für kindgerechte Lebensbedingungen Sorge zu tragen.

Der gemeinsame Appell »Kinderrechte ins Grundgesetz – aber richtig!« mit einer Liste aller Organisationen kann unter www.bag-jugendschutz.de heruntergeladen werden. Weitere Informationen auch auf Facebook https://www.facebook.com/baj.KuJ/ und Twitter: https://twitter.com/baj_KuJ

 

Quelle: Pressemeldung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V., Berlin, 25. März 2021

Mehr Kinder- und Jugendschutz im Internet

Beschluss des Bundesrates

Der Bundesrat hat am 26. März 2021 eine Reform des Jugendschutzgesetzes gebilligt, die der Bundestag am 5. März 2021 beschlossen hatte. Sie soll einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet gewährleisten.
In einer begleitenden Entschließung fordert die Länderkammer die Bundesregierung allerdings zu einem konstruktiven Dialog über die Fortentwicklung des Gesetzes und insbesondere dazu auf, die in der Stellungnahme des Bundesrates vom 27. November 2020 (BR-Drs. 618/20 (B)) geäußerten konkreten Vorschläge zur besseren Verzahnung von Landes- und Bundesrecht zu berücksichtigen.

Vorsorgemaßnahmen der Anbieter: Das Gesetz führt das Konzept der Anbietervorsorge ein. Es verpflichtet Internetdienste, die für Kinder und Jugendliche relevant sind, angemessene und wirksame strukturelle Vorsorgemaßnahmen für eine unbeschwerte Teilhabe zu treffen. Anbieter müssen Voreinstellungen wählen, die Kinder und Jugendliche besonders vor Mobbing, sexualisierter Ansprache durch »Cybergrooming«, Hassrede, Tracking und Kostenfallen schützen. Diese sollen sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche etwa bei Spielen oder in sozialen Netzwerken von Fremden nicht mehr einfach gefunden und angesprochen werden können. Weiter müssen Anbieter geeignete Schutzkonzepte wie altersgerechte Voreinstellungen und Hilfs- und Beschwerdesysteme für ihre junge Zielgruppe entwickeln und umsetzen.
Ausbau der Bundesprüfstelle: Einheitliche Alterskennzeichen für Spiele und Filme auch online sollen für mehr Orientierung sorgen. Zur besseren Durchsetzung des Kinder- und Jugendmedienschutzes wird zudem die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien BPjM zur Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz weiterentwickelt. Dabei werden künftig auch die zunehmend für Kindern und Jugendliche relevanten ausländischen Anbieter in den Blick genommen. Die Zentrale richtet einen zwölfköpfigen Beirat ein, der sich in besonderer Weise für die Verwirklichung der Rechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzt. Vorgesehen sind auch zwei Vertreter von Kinder- und Jugendverbänden, die nicht älter als 17 Jahre alt sein dürfen. Die Bundeszentrale kann Projekte durchführen oder fördern, die Eltern in die Lage versetzen sollen, die Mediennutzung ihrer Kinder zu begleiten und zu steuern.
Leichterer Zugang zu Kinos: Erleichterungen schafft das Gesetz beim Zugang von Kindern zu Kinos und öffentlichen Filmvorführungen. Das Recht, bei Filmen, die ab zwölf Jahren freigegeben und gekennzeichnet sind, auch Kindern ab sechs Jahren den Zutritt zur Vorführung in Begleitung zu ermöglichen, gilt nicht mehr nur für personensorgeberechtigte, sondern auch für erziehungsbeauftragte Personen. Damit will das Gesetz den flexibilisierten Lebensformen und der Zunahme von Patchworkfamilien Rechnung tragen.
Weitere Schritte: Nach Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten und Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt kann das Gesetz zügig in Kraft treten – zu Beginn des auf die Verkündung folgenden Monats.

 

Quelle: Pressemeldung des Bundesrates, Berlin, 26. März 2021

Jugendschutzgesetz aktualisiert: USK bereitet sich auf Änderungen vor

Nach dem Bundestag hat der Bundesrat die Novellierung des Jugendschutzgesetzes am vergangenen Freitag gebilligt. Diese Erweiterung bringt wesentliche Neuerungen bei der Prüfung von Computer- und Videospielen mit sich.
In Zukunft können so genannte Nutzungsrisiken, wie z.B. Kauf- und Kommunikationsmöglichkeiten, bei einer jugendschutzrechtlichen Bewertung berücksichtigt werden. Dies soll in erster Linie über so genannte Deskriptoren (Zusatzinformationen) geschehen. Diese werden von der USK bereits in Online-Stores über das System der International Age Rating Coalition (IARC) ausgespielt. Auch bei Spielen, bei denen die Kennzeichnung im klassischen Prüfverfahren auf der Grundlage des Jugendschutzgesetzes erfolgt, sollen diese Zusatzhinweise nun neu eingeführt werden. 
In Einzelfällen kann es dabei auch zu einer höheren Alterseinstufung kommen, wenn ein zusätzlicher Hinweis aufgrund eines signifikant erhöhten Risikos nicht ausreichend ist. Bei der Abwägung sollen künftig auch Vorsorgemaßnahmen des Anbieters einbezogen werden. Darunter fallen beispielsweise technische Einstellungsmöglichkeiten, mit denen sich potenzielle Risiken, die bei Chats oder uneingeschränkten Kauffunktionen entstehen können, verringern lassen.

USK hat bereits gut vorgelegt 
Das neue Jugendschutzgesetz baut auf der wichtigen Vorarbeit der anerkannten Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrollen wie der USK auf und erweitert so das funktionierende System des Jugendmedienschutzes. Seit fast 10 Jahren betreibt die USK gemeinsam mit internationalen Partnern und mit Unterstützung der Games-Branche das erfolgreich etablierte Alterskennzeichnungs-System IARC mit umfassenden Informationen zur Alterseinstufung für Nutzer/-innen. Der Weg zur gesetzlichen Anerkennung dieses Systems wird mit dem novellierten Gesetz nun beschritten.
Die Geschäftsführerin der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), Elisabeth Secker: »Für Spiele, die auf großen Online-Spieleplattformen veröffentlicht werden, führt das aktualisierte Jugendschutzgesetz nun ebenfalls eine Alterskennzeichnungspflicht ein. Dafür kann auf ein System zurückgegriffen werden, dass die USK mit internationalen Partnern initiiert und inzwischen auf zahlreichen Plattformen etabliert hat. Neben den klassischen Altersfreigaben für Spiele, die durch die Ständigen Vertreter/-innen der Obersten Landesjugendbehörden bei der USK erteilt werden, vergibt die USK bereits jedes Jahr Millionen Alterskennzeichen für Online-Spiele und Apps im Rahmen des IARC-Systems. Innerhalb des IARC-Systems haben sich die im neuen Gesetz nun verankerten Zusatzhinweise seit langem bewährt, um Eltern, Kinder und Jugendliche sowie pädagogische Fachkräfte auf Zusatzfunktionen in Spielen, wie In-App-Käufe und Chat-Funktionen, aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit den Obersten Landesjugendbehörden können wir dieses Best Practice Modell nun auch rechtlich anerkennen lassen und stetig verbessern.«

Wie geht es jetzt weiter?
Es ist nun Aufgabe der USK, die Novellierung des Jugendschutzgesetzes in die Praxis umzusetzen und die Auswirkungen für den Bereich der Alterskennzeichnung mitzubestimmen. Die USK und die Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) befinden sich bereits im Prozess zur konkreten Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Begleitet werden die Überlegungen unter anderem durch den USK-Beirat, der die Leitkriterien der USK nach Evaluation regelmäßig beschließt. Eine Spruchpraxis, die sich durch die neuen Regelungen und deren praktischer Umsetzung ergibt, wird sich in Folge durch die entsprechenden Gremien der USK herausbilden.

 

Quelle: Pressemeldung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), Berlin, 29. März 2021

Missbrauchsbeauftragter Rörig zur Verschärfung des Sexualstrafrechts und den Verbesserungen im Familienrecht

Der Bundestag hat am 25. März über das Gesetz zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder entschieden. Neben zahlreichen Änderungen etwa im Familienrecht sieht dieses auch erhebliche Strafverschärfungen vor. So soll nicht nur der Grundtatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern mit Körperkontakt grundsätzlich mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr belegt, sondern auch die Verbreitung und der Besitz von sog. kinderpornografischem Material zum Verbrechen hochgestuft werden. Zu dem Gesetzentwurf erklärt der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) Johannes-Wilhelm Rörig: »Der Gesetzentwurf enthält eine Vielzahl positiver Änderungen. Dass Verurteilungen wegen Sexualdelikten künftig im erweiterten Führungszeugnis länger als bisher gespeichert werden und Verfahren mit minderjährigen Opferzeug/-innen beschleunigt durchgeführt werden sollen, ist sehr begrüßenswert. Der Gesetzentwurf nimmt auch das wichtige Thema Qualifikation von Familienrichter/-innen, Jugendrichter/-innen oder Jugendstaatsanwält/-innen in den Blick: Hier müssen künftig etwa Grundkenntnisse in der Entwicklungs- und Jugendpsychologie nachgewiesen werden, damit der Umgang mit Kindern in diesem wichtigen Bereich professionalisiert wird. Im Bereich des Familienrechts sind insbesondere die Einführung eines Pflichtverfahrensbeistands in kindeswohlrelevanten Verfahren sowie die ausdrückliche Normierung der fachlichen und persönlichen Eignung der Verfahrensbeistände mit der Verpflichtung zur Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses zu begrüßen.
Anlass für die Strafverschärfungen waren schreckliche Fälle schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, wie zuletzt in Münster. Diese sind jedoch bereits nach geltendem Recht Verbrechen mit einer Mindeststrafe von 2 Jahren, und hier hat der Gesetzgeber auch keine Veranlassung zu einer weiteren Verschärfung gesehen. Die Hochstufung fast aller übrigen Tathandlungen von einem Vergehen zu einem Verbrechen stellt eine erhebliche Beschränkung des richterlichen Beurteilungsspielraums dar, insbesondere bei Tathandlungen knapp oberhalb der Erheblichkeitsschwelle, wie etwa einem einmaligen Streicheln an dem bekleideten Gesäß. Zudem sind erhebliche Auswirkungen auf die Strafverfolgung zu erwarten, die sich zu Lasten der Betroffenen auswirken werden. Grundproblem bei Sexualdelikten insbesondere zum Nachteil von Kindern ist die oft schwierige Beweislage; Verurteilungen beruhen häufig auf Geständnissen des oder der Angeklagten. Bei einem Verbrechensvorwurf besteht ein Anspruch des oder der Beschuldigten auf Beiordnung einer/s Pflicht-verteidiger/-in bereits vor der ersten Vernehmung, welche/r dem oder der Beschuldigten in der Regel raten wird zu schweigen. Auch der Wegfall des Strafbefehlsverfahrens dürfte einen Rückgang geständiger Einlassungen zur Folge haben. Dies wird in vielen Fällen eine verschlechterte Beweislage bedeuten, was im Ergebnis zu längeren Ermittlungsverfahren, häufigeren aussagepsychologischen Begutachtungen, stärkeren Belastungen für Betroffene sowie zu mehr Einstellungen und Freisprüchen führen dürfte. 
Den geschilderten Nachteilen kann nur wirksam entgegengewirkt werden, wenn im Bereich der Justiz massiv Personal aufgestockt und umgehend eine Qualifizierungsoffensive durchgeführt wird. Hier sehe ich die Bundesländer in der dringenden Pflicht zeitnah zu handeln und weitere Richter/-innen und Staatsanwält/-innen einzustellen. Nur so wird eine effektive Strafverfolgung, die nicht zu sekundären Traumatisierungen führt, zu realisieren sein.«

 

Quelle: Pressemeldung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Berlin, 25. März 2021

UN-Kinderrechteausschusses zeigt umfangreichen Reform- und Handlungsbedarf bei den Kinderrechten in der digitalen Welt auf

Der am 24. März veröffentlichte General Comment des UN-Kinderrechteausschusses [»General comment No. 25 (2021) on children's rights in relation to the digital environment«] zeigt aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes den umfangreichen Reform- und Handlungsbedarf bei den Kinderrechten in der digitalen Welt auf. Das gilt aus Sicht der Kinderrechtsorganisation sowohl für einen zeitgemäßen Kinder- und Jugendmedienschutz als auch für Investitionen in technologische Infrastruktur und Medienbildung in Schulen. Bund und Länder sind jetzt in der Pflicht, die Empfehlungen des UN-Kinderrechteausschusses gerade im Hinblick auf die Umsetzung des Jugendschutzgesetzes aufzugreifen, und den Digitalpakt Schule zügiger als bisher umzusetzen.
»Der General Comment zeigt auf, dass Kinderrechte, wie der Schutz auf Privatsphäre sowie der Schutz vor Gewalt und Ausbeutung auch im digitalen Raum gelten. Mit der Novellierung des Jugendschutzgesetzes werden die Interessen der Kinder und Eltern zukünftig mehr als bisher in den Mittelpunkt gestellt. Da Kinder heutzutage sehr früh mit Medien in Kontakt kommen, braucht es einheitliche, für Eltern und Kinder nachvollziehbare und wirksame Schutz-, Melde- und Beschwerdeverfahren. Auch die persönlichen Daten von Kindern und Jugendlichen werden besser als bisher geschützt«, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.
»Die Mahnung des UN-Kinderrechteausschusses zu mehr Investitionen in technologische Infrastruktur der Schulen und Fortbildungen von Lehrkräften muss Ansporn für Bund, Länder und Kommunen sein, den Digitalpakt Schule zügiger als bisher umzusetzen. Die Ausstattung mit technischen Geräten darf aber keine Einbahnstraße sein. Es ist unerlässlich, die technische Ausstattung mit individuellen Schulkonzepten zu verbinden, die sich an der Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen orientieren und Medien pädagogisch-didaktisch einsetzen. Nur so kann ein zeitgemäßes Unterrichts- und Schulkonzept entstehen, das auch nach der Corona-Pandemie dringend benötigt wird«, so Krüger weiter.
Der UN-Kinderrechteausschuss überprüft die Fortschritte der Vertragsstaaten bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention. Mit den General Comments veröffentlicht der Ausschuss regelmäßig Interpretationsleitlinien zu einzelnen Artikeln und Themen der Konvention. Die General Comments sind nicht Teil der UN-Kinderrechtskonvention und daher nicht rechtlich bindend. Gleichwohl helfen sie den Vertragsstaaten beim Verständnis sowie bei der Verwirklichung der Kinderrechte, da sie wichtige Hinweise und Auslegungen bieten.

 

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks e.V., Berlin, 24. März 2021

Studie zu Messengerdiensten: Die Mehrheit junger Menschen wird in Chats mit Falschnachrichten, Mobbing oder Hassrede konfrontiert

Vodafon

Messengerdienste wie WhatsApp, Telegram oder Signal sind aus der Kommunikation junger Menschen nicht mehr weg zu denken. 99 Prozent sind auf solchen Diensten aktiv und nutzen sie dabei so intensiv wie soziale Medien. Mehr als drei Viertel (76 Prozent) der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland nutzen Messenger mehr als eine Stunde pro Tag zur Kommunikation mit Freunden oder Familie, im Kontext von Schule, Universität oder Beruf sowie zur Unterhaltung. 23 Prozent nutzen sie sogar mehr als vier Stunden pro Tag. Jedoch informieren sich nur wenige junge Menschen dort auch über das Nachrichtengeschehen oder die Politik. Für diese Zwecke ziehen drei Viertel der jungen Menschen (74 Prozent) soziale Medien vor.
Etwa die Hälfte junger Menschen kommt über Chats vor allem in Kontakt mit problematischen Inhalten: 61 Prozent haben hier schon einmal Falschnachrichten geschickt bekommen, 53 Prozent Mobbing beobachtet und 48 Prozent Hassrede gesehen. Jede/r dritte/r 14- bis 24-Jährige ist über Chats bereits selbst beleidigt, gemobbt oder bedroht worden. Für Mädchen und junge Frauen ist die Situation besonders dramatisch: 40 Prozent von ihnen wurden bereits über Messenger belästigt – junge Männer (29 Prozent) sind davon deutlich weniger betroffen. Gleichzeitig haben 42 Prozent der jungen Menschen bereits Inhalte oder andere Nutzer/-innen offiziell bei Plattformen gemeldet – worauf ein Drittel jedoch keine Rückmeldung bekam. Das sind die Ergebnisse einer Befragung 14- bis 24-Jähriger zur Nutzung von Messengerdiensten im Auftrag der Vodafone Stiftung.

Die versteckte Verbreitung von Desinformation über Chats: Die Mehrheit der jungen Menschen hat über Messengerdienste bereits Falschnachrichten erhalten. Die Struktur der Chats bedingt, dass sich Falschnachrichten ggü. dem Feed von Sozialen Plattformen noch besser versteckt verbreiten können (»Dark Social«). WhatsApp oder Chatfunktionen von Social Media Plattformen wie Twitter, Facebook oder Instagram spielen dabei die größte Rolle: Jeweils 40 Prozent  der Jugend hat auf ihnen bereits Falschnachrichten wahrgenommen –  bei den Nutzer/-innen anderer Messengerdienste wie Telegram (12 Prozent), Snapchat (11 Prozent) oder Discord (9  Prozent) sind es deutlich weniger. Absender/-innen von Falschnachrichten auf Messengerdiensten sind vor allem Bekannte aus Schule, Universität oder Beruf (50 Prozent) oder Personen, die die jungen Menschen nicht persönlich kennen (40 Prozent). Aber auch von Freund/-innen (37 Prozent) oder aus der Familie (27 Prozent) bekommen sie Falschnachrichten geschickt. 

Junge Menschen engagieren sich gegen problematische Inhalte: Viele junge Menschen nutzen informelle und formelle Wege, um gegen problematische Inhalte auf Messengerdiensten vorzugehen. 40 Prozent von ihnen haben zum Beispiel schon einmal in einer Chatgruppe gegen Falschnachrichten, beleidigende oder rassistische Inhalte Stellung bezogen. Ebenfalls 40 Prozent haben bereits Inhalte oder andere Nutzer/-innen offiziell bei Plattformen gemeldet. In nur 40 Prozent der Fälle war die Meldung erfolgreich. Ein Drittel der jungen Menschen bekam gar keine Rückmeldung.

Weitere Informationen unter https://www.vodafone-stiftung.de/wp-content/uploads/2021/03/Studie_Vodafone-Stiftung_Generation-Messenger_2021.pdf

 

Quelle: Pressemeldung der Vodafone-Stiftung, Berlin/Düsseldorf, 25. März 2021

Welche Belastungen und Entlastungen erleben Betroffene sexualisierter Gewalt in der Corona-Pandemie?

Studie

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat von Juni bis Juli 2020 eine Online-Befragung unter Betroffenen zu ihrer Situation in der Corona-Pandemie durchgeführt. Im ersten Schritt wurden die ausgewählten Antworten der Teilnehmenden zu konkreten Fragen ausgewertet. Diesen Bericht veröffentlichte die Kommission im November 2020. Für den aktuellen zweiten Bericht wurden die Kommentare der Teilnehmenden auf die den Fragebogen abschließende offene Frage »Möchten Sie uns noch etwas zu Ihrer Situation unter den Bedingungen der Corona-Pandemie mitteilen?« ausgewertet. 
Die Auswertung der Antworten ergab, dass die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen des Infektionsschutzes sehr spezifische psychische und soziale Belastungen für Betroffene bedeuten können, die mit ihren früheren Erfahrungen zusammenhängen. So konnten die allgemein angeordneten Maßnahmen Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit auslösen. Das Tragen von Schutzmasken konnte als Trigger und re-traumatisierend erlebt werden. Die Veränderungen durch die Pandemie können auch bei Betroffenen, die die Gewalt gut bewältigt hatten und sich lange Zeit stabil fühlten, zu unerwarteten Einbrüchen führen. 
Die Ergebnisse der Befragung zeigten aber auch, dass die in der Pandemie ergriffenen Maßnahmen positive Auswirkungen haben können. Beispielsweise Kontaktbeschränkungen, sowohl in Form von sozialer als auch körperlicher Distanz, ermöglichen eine Entlastung von gesellschaftlichen Anforderungen, weil dadurch Ruhe- und Freiräume entstehen, die für Gesundung und Aufarbeitung der eigenen Geschichte genutzt werden können. 
Viele Betroffene erlebten, dass sie eigene Bewältigungsstrategien nicht mehr umsetzen konnten, wenn durch das Wegfallen professioneller Unterstützung kein Ausgleich möglich war. Die gesellschaftliche Krise wird dann zur persönlichen Krise und bringt die Stabilität in Gefahr, die in der Therapie erarbeitet wurde.
Menschen, die sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend erleben mussten, haben trotz der Gewalterfahrungen und zum Teil starker Traumatisierungen Lebensstärken entwickelt, die es ihnen ermöglichen, ihr Leben zu organisieren, Entscheidungen zu treffen, ihren Alltag zu bewältigen, Unterstützung zu suchen und zu finden. Diese Stärken können in einer gesellschaftlichen Krise wie der Corona-Pandemie gefährdet sein oder aber mit voller Kraft entfaltet werden. 

Download: Belastungen und Entlastungen von Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Corona-Pandemie – Zweite Auswertung der Online-Befragung unter https://www.aufarbeitungskommission.de/mediathek/belastungen-und-entlastungen-von-betroffenen-in-der-corona-pandemie/ 

 

Quelle: Pressemitteilung der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, Berlin, 25. März 2021

Die BAJ auf dem 17. Deutschen Jugendhilfetag (DJHT)

BAJ

Der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag (DHJT) findet in diesem Jahr digital unter dem Motto »Wir machen Zukunft – Jetzt!« statt. Die BAJ und die Landesstellen Kinder- und Jugendschutz beteiligen sich mit drei Veranstaltungen und einem digitalen Messestand. 

 

18.05.2021 • 14:00-15:30 Uhr 
Das neue Jugendschutzgesetz – Was kann, soll und muss das JuSchG leisten?
Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e. V. (BAJ) 

19.05.2021 • 10:45-12:15 Uhr
ELTERNTALK: Ein Projekt zum präventiven Kinder- und Jugendschutz in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Nordrhein-Westfalen e.V.
Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V.
Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen

19.05.2021 • 10:45-12:15
Digitale Lebenswelten junger Menschen – Ansätze präventiver Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe
Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V.
Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein e.V.
Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V.

Wir laden Sie herzlich zu unseren Veranstaltungen und zum Besuch unseres digitalen Messestands ein. Weitere Informationen unter www.bag-jugendschutz.de und www.djht.de

 

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V., Berlin, 30. März 2021

Veranstaltung: Familienorientierte Suchtarbeit zur Stärkung Elterlicher Kompetenz – Online Fachtag

flyer

Suchtkranke Eltern brauchen häufig Ermutigung und Unterstützung bei der Wahrnehmung ihrer Elternverantwortung. Wichtig ist anzuerkennen, dass auch suchtkranke Menschen gute Eltern sein können, sofern sie durch ein gutes Hilfenetzwerk und passende Angebote unterstützt werden. Die primäre Erziehungsverantwortung liegt bei den Eltern, somit geht es darum, selbige im System Familie zu stützen. Dazu gehört auch zu lernen, Hilfe anzunehmen, Scham- und Schuldgefühle zu überwinden, die Verantwortung für das Suchtproblem zu übernehmen und sich der Erziehungsverantwortung gegenüber den eigenen Kindern zu stellen und so die Erziehungskompetenz zu festigen. Ziel ist daher, die Kompetenzen der Eltern gemeinsam zu erkennen und diese entsprechend zu fördern.
Mit dieser Zielsetzung wurde im Rahmen des zweijährigen, vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Kooperationsprojektes zwischen dem Gesamtverband für Suchthilfe e.V. (GVS) und dem Deutschen Caritasverband e. V. (DCV) ein Rahmenkonzept für die familienorientierte Suchtarbeit entwickelt, welches den Blick explizit auf die Elternverantwortung von suchtkranken Frauen und Männer richtet. Darauf aufbauend wurde ein QM-Modul für die familienorientierte Suchtarbeit entwickelt, das kompatibel zu bereits vorliegenden QM-Systemen ist.
Auf dem Online-Fachtag am 29.04.2021 werden Projektergebnisse vorgestellt und in einem Impulsvortrag Impulse für die Stärkung der Elternkompetenz in der Suchtarbeit gesetzt.

Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden sich unter: (https://www.partnerschaftlich.org/fileadmin/user_upload/Partnerschaftlich/Themenmagazine/2021/Termine_Flyer/einladung_fachtag_suchtarbeit.pdf-final.pdf).

 

Quelle: Newsletter NACOA Neuigkeiten, 23. März 2021

Veranstaltung: 17. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag – Programm

DJHT

Vom 18. bis 20. Mai 2021 wird der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag, der diesmal rein digital stattfindet, wieder zur Plattform für Initiativen, Innovationen, Impulse und Ideen rund um die »Generation U27«. Ab sofort können sich alle Interessierten unter www.jugendhilfetag.de über das vielfältige Programm des größten Jugendhilfegipfels in Europa informieren. 
Im Rahmen des Fachkongresses finden rund 270 digitale Fachveranstaltungen der AGJ-Mitgliedsorganisationen und ihrer Kooperationspartner/-innen statt. Inhaltlich spiegeln die Fachveranstaltungen das gesamte Themenspektrum sowie die Vielfalt der Kinder- und Jugendhilfe wider. Besonders präsent im Fachkongressprogramm sind dieses Mal die Themen ganztägige Bildung, Digitalisierung, politische Bildung, Care Leaver, Pflegekinderhilfe, Kinderschutz und Corona. Darüber hinaus gibt es im Rahmen des Fachkongresses ein europäisches Fachprogramm mit 32 Veranstaltungen. Das europäische Fachprogramm wird sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache stattfinden. Auch die Zuwendungsgeber/-innen des 17. DJHT – das Bundesjugendministerium, das Land NRW und die Stadt Essen – werden das Programm mit insgesamt 12 Veranstaltungen bereichern. 
Gespannt sein dürfen die DJHT-Besucherinnen auch auf die digitale Fachmesse. Mehr als 150 gewerbliche und nicht-gewerbliche Aussteller/-innen haben sich dafür bereits angemeldet. Weitere Anmeldungen von Organisationen und Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe sind noch bis zum 15. April 2021 unter www.jugendhilfetag.de möglich. Die digitale Fachmesse des 17. DJHT ermöglicht Information, Austausch, Vernetzung und Kommunikation im virtuellen Raum. Mithilfe eines eigens entwickelten digitalen Fachmessetools können sich Aussteller/-innen ganz einfach einen digitalen Fachmessestand gestalten, sich den Besucher/-innen im digitalen Raum vorstellen und mit ihnen direkt über eine Chatfunktion in Kontakt treten. 
Die AGJ lädt alle Interessierten ganz herzlich zum Besuch des 17. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages ein. Der Besuch ist kostenlos. Um an einer Veranstaltung im Fachkongress oder/und an den Messeforen teilzunehmen zu können, ist es notwendig, sich im Vorfeld über die DJHT-Website zu registrieren und sich für die gewünschten Veranstaltungen anzumelden. Registrierung und Anmeldung sind ab Mitte April über die Website www.jugendhilfetag.de für Besucher/-innen möglich.

 

Quelle: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ, Berlin, 23. März 2021

Kein Raum für Mißbrauch

Kein Raum für Missbrauch
Die BAJ unterstützt die Kampagne »Kein Raum für Missbrauch« des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und deren Zielsetzung für ein gesamtgesellschaftliches Bündnis gegen sexualisierte Gewalt.

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